Rekord bei Arbeitslosigkeit. In den vergangenen zwei Wochen 2.000 Arbeitslose zusätzlich - höchste Zahl seit 1945.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 01. April 2020 (13:40)
Deutlicher Anstieg bei den Arbeitslosenzahlen
APA

Die Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen in der Coronakrise haben sich auch in Wiener Neustadt massiv auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt: Seit Mitte März ist die Arbeitslosigkeit um rund 2.000 Personen angestiegen - ein Plus von knapp einem Drittel. "Das ist die höchste Zahl an Arbeitslosen seit 1945", sagt AMS-Geschäftstellenleiter Mevlüt Kücükyasar: "Von der aktuellen Arbeitslosigkeit sind alle Gruppen betroffen.  Am stärksten ist die Arbeitslosigkeit bei jungen Frauen (78,5 Prozent), Ausländern (58,5 Prozent) und Akademikern (65,9 Prozent) gestiegen.“

AMS-Geschäftstellenleiter Mevlüt Kücükyasar
Philipp Hacker-Walton

Kücükyasar rechnet mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit im April, da Anfang April viele Kündigungen kommen würden, "zumal viele Beschäftigte am Monatsende eine Kündigung bekommen". Das Paket der Regierung zur Kurzarbeit habe die Situation zumindest ein wenig entschärft, zahlreiche betriebsbedingte Kündigungen hätten dadurch vermieden werden können.

Weniger Arbeitsaufnahmen


„Neben den knapp 2000 Menschen, die sich seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen arbeitslos gemeldet haben, wurden viele Saison-Arbeitskräfte, die unter normalen Umständen im März wieder ihre Arbeit aufgenommen hätten, auf die kommenden Wochen vertröstet. März und April zählen zu jenen Monaten, wo die Arbeitslosigkeit üblicherweise zurückgeht, weil viele Saisonarbeitskräfte in der Gastronomie, am Bau und in der Landwirtschaft wieder eine Arbeit aufnehmen. Nach Inkrafttreten der Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus sieht die Bilanz nun anders aus“, erklärt Kücükyasar. 

220 Unternehmen wollen Kurzarbeit


Stark rückgängig ist auch die Zahl der offenen Stellen, die von Wiener Neustädter Unternehmen dem AMS gemeldet werden. Es suchen fast nur versorgungskritische Einrichtungen neue Mitarbeiter. Weiters haben mehr als 220 Unternehmen bereits Kurzarbeit beantragt, doppelt so viele Betriebe haben sich zumindest über die Voraussetzungen informiert. Durch die Kurzarbeit werden MitarbeiterInnen weiter beschäftigt und können für einen vereinbarten Zeitraum weniger arbeiten. Die Arbeitnehmer erhalten trotzdem bis zu 90 Prozent des bisherigen Netto-Gehalts. 

Arbeitslosengeld wird pünktlich ausbezahlt

Sorgen, das Arbeitslosengeld würde in der aktuellen Ausnahmesituation verspätet ausbezahlt, seien unbegründet, betont Kücükyasar: „Das AMS Wiener Neustadt ist als der größter Existenzsicherer für die Menschen in der Region auch in der Krisenzeit da! Viele Menschen haben sich mit Ihren Fragen zur Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit an uns gewandt. Es ist für meine Mitarbeiter eine enorme Herausforderung, diese große Menge an Kundenliegen erfolgreich zu bewältigen. Auch ist es kein leichtes Unterfangen, Existenzsicherung für Kunden und Erhaltung der Arbeitsfähigkeit der AMS-Mitarbeiter unter einen Hut zu bringen“, so der AMS-Chef: „Ich möchte mich bei allen AMS-Mitarbeitern für ihre enorme Einsatzbereitschaft, Motivation und Flexibilität sehr herzlich bedanken."