Job-Offensive: Ausbildung als Schlüssel. AMS setzt auf Qualifizierung und unterstützt Sozialberaterin Barbara Modre.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 13. Mai 2021 (04:12)
Lebens- und Sozialberaterin Barbara Modre (Mitte) profitiert bei der Unternehmensgründung von der Unterstützung durch das Arbeitsmarktservice NÖ. AMS-Leiterin Anita Prüller und AMS-Wiedereinstiegsberaterin Silvia Weiß stehen in Waidhofen beratend zur Seite.
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Mit einer Qualifizierungsoffensive möchte das Arbeitsmarktservice NÖ Jobsuchende fit für Zukunftsberufe machen und so den Weg aus der Pandemie-bedingten Krise am Arbeitsmarkt finden. Im Rahmen dieses Job-Offensive-Pakets bereiten sich im AMS-Bezirk Waidhofen aktuell 102 Personen auf ihren beruflichen Neustart vor.

„Mit den Budgetmitteln, die wir nun mehr zur Verfügung haben, können wir unseren Klientinnen und Klienten eine höhere Qualifizierung und damit bessere Chancen am Arbeitsmarkt ermöglichen“, sagt Waidhofens AMS-Geschäftsstellenleiterin Anita Prüller. „So werden auch Ausbildungen ermöglicht, die vorher nicht möglich gewesen wären.“ Wichtig dabei sei, dass der Fokus darauf liege, Ausbildungen zu ermöglichen, hinter denen auch eine Stelle am Arbeitsmarkt liege, hält die AMS-Chefin fest.

„Wir können nun höhere Qualifizierungen und damit bessere Chancen am Arbeitsmarkt ermöglichen.“ AMS-Leiterin Anita Prüller

Besonders bemüht ist man am AMS Waidhofen, Frauen wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. „Wir schauen, dass Frauen wieder in Ausbildungen kommen, wobei es sich dabei nicht um die typischen Frauenberufe handeln muss“, führt AMS-Wiedereinstiegsberaterin Silvia Weiß aus. „Das bedeutet in Folge Besserstellungen beim Einkommen und damit auch später bessere Pensionen.“ Vor allem Frauen seien von Altersarmut betroffen, ergänzt Prüller. „Eine Qualifizierung ist somit existenzsichernd.“

Auch die Waidhofnerin Barbara Modre wird im Rahmen des Job-Offensive-Pakets des AMS unterstützt. Die ausgebildete Elementarpädagogin hat zuletzt fünf Jahre lang das an der Sportmittelschule Zell angesiedelte Lerncafé „Aufschwung“ der Caritas geleitet. Dort wurde Kindern mit Lernschwierigkeiten eine niederschwellige pädagogische und psychosoziale Betreuung geboten.

Aber auch Eltern konnten sich Tipps holen. Während dieser Zeit absolvierte Modre eine Ausbildung zum systemischen Coach für neue Autoritäten. 2019 wurde dem Lerncafé der Geldhahn abgedreht und die Waidhofnerin musste sich neu orientieren. Dass sie im Beratungsbereich bleiben möchte, war für sie klar. So begann sie an der Donau-Universität Krems das Studium der psychosozialen Beratung und machte sich im Jänner als gewerbliche Lebens- und Sozialberaterin selbstständig.

Angebot für alle

Modres Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Sie steht bei Schwierigkeiten in der Schule ebenso zur Seite wie bei Problemen in der Familie, aber auch Beziehungs- und Elternberatung bietet sie an. Auch Frauen, die häuslicher Gewalt – physisch oder psychisch – ausgesetzt sind, können sich an sie wenden. Wenn es die Covid-Situation wieder möglich macht, möchte sie ihr Wissen auch in Schulen und Kindergärten im Rahmen von Vorträgen und Workshops anbieten.

Im RIZ Waidhofen hat Modre fünf Stunden die Woche einen Raum für Beratungen zur Verfügung. Nebenbei absolviert sie gerade ein Praktikum bei der Frauenberatung in Amstetten.

Bei der Unternehmensgründung wurde die Waidhofnerin neben dem RIZ auch vom AMS Waidhofen unterstützt. Das in St. Pölten angesiedelte ppc Training, das mit dem AMS kooperiert, bewertete Modres Geschäftsidee als förderwürdig und so wurde Modre in das Unternehmensgründungsprogramm des AMS aufgenommen.

Psychosoziale Beratung: Bedarf steigend

„Der Bedarf nach psychosozialer Beratung wird nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie mehr“, konstatiert Modre. „Ich hoffe, dass es bald auch Möglichkeiten gibt, meine Leistungen kostenlos anbieten zu können.“ Dazu brauche es aber die Unterstützung aus der Politik. „Indem wir Barabara Modre unterstützen, erfüllt das AMS auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe. Wir ermöglichen Ausbildungen, die vor allem Frauen und Kindern, die derzeit verstärkt psychischen Belastungen ausgesetzt sind, zugute kommen“, sagt die AMS-Leiterin. „Das ist eine Win-win-Situation.“

Die größte Herausforderung ist für die AMS-Leiterin derzeit der Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit. Insbesondere Jobsuchende über 50 Jahren, Menschen mit wenig Berufserfahrung oder Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen hätten es in der aktuellen Krise besonders schwer, wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sagt Prüller.

„Ist eine Vermittlung nicht möglich und benötigt ein Kunde Hilfe bei der beruflichen Neuorientierung, bieten wir mit speziellen Beratungs- und Betreuungseinrichtungen Unterstützung bei der Berufsorientierung und Ausbildungsplanung.“