Anrainer-Widerstand gegen Bau auf der Zell. Neuer Wohnbau in der Burgfriedstraße wurde bewilligt. Anrainer haben Einwände. Vor allem die Geologie bereitet ihnen Sorgen.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:40)
Die Anrainer der Waidhofner Burgfriedstraße Günter Pawlitschek, Monika Wagner, Gerlinde und Häs Weis, Barbara und Heimo Modre sowie Elsa und Maximilian Kindermann haben Einwände gegen den neuen Wohnbau, der anstelle des grauen Hauses im Hintergrund errichtet werden soll. Sie machen sich Sorgen um ihr Eigenheim und haben den Baubescheid beeinsprucht.
privat, privat

Einen viergeschoßigen Wohnbau mit 19 exklusiven Eigentumswohnungen und begrüntem Flachdach möchte Unternehmer Hans-Peter Panholzer in der Burgfriedstraße 2 auf der Zell anstelle des derzeit dort befindlichen grauen Wohnhauses errichten. Bei den Anrainern stößt das Projekt jedoch auf wenig Gegenliebe. Bereits im Februar des Vorjahres, nachdem ihnen das Projekt im Rathaus präsentiert worden war, meldeten sie Bedenken an.

Vor allem die ursprünglich angedachte Tiefgarage mit 27 Stellflächen bereitete jenen Nachbarn, deren Häuser sich auf der Ybbsseite befinden, aufgrund der Geologie Sorgen um das eigene Heim. Man befürchtete, dass im Zuge der Bauarbeiten der Konglomeratsfelsen beschädigt werden könnte.

Mit dem vom Bauherren vorgelegten geologischen Gutachten, das dem Bauvorhaben Unbedenklichkeit bescheinigte, wollte man sich nicht zufriedengeben. Man verwies darauf, dass die dem Gutachten zugrunde liegenden Probebohrungen nur auf dem Grundstück der Burgfriedstraße 2 durchgeführt worden seien und forderte weitere geologische Untersuchungen, welche auch die Steilhänge und Kavernen des Felsens miteinbeziehen sollten, ein.

„Die Behörde hat dieses Projekt genau geprüft. Diese Prüfung fiel positiv aus. Es liegen unzählige Gutachten vor, die die Unbedenklichkeit bestätigen.“ Bauherr Hans-Peter Panholzer

Bei einem „Bürgermeister vor Ort“-Termin im Februar des Vorjahres versicherte Bürgermeister Werner Krammer (WVP) den Anrainern, dass die Sicherheit vorgehe, man die Bedenken ernst nehme und Lösungen finden werde. Die Stadt gab daraufhin bei der geologischen Abteilung des Landes NÖ eine weitere Überprüfung in Auftrag. Das Fazit des Landesgeologen lautete damals, dass eine genaue Aufnahme der Umgebung stattzufinden habe, ehe eine Beurteilung möglich sei. Die NÖN berichtete.

Nun ist das Bauprojekt auf Schiene. Die Baubehörde hat eine Baubewilligung erteilt. Auf die ursprünglich vorgesehene Tiefgarage hat der Projektwerber jedoch verzichtet. Stattdessen wird ebenerdig eine Garage mit 26 Parkflächen entstehen. Im Gegenzug werden die ursprünglich 23 vorgesehenen Wohnungen um vier reduziert.

Einwände wurden von der Behörde abgewiesen

Die Anrainer sind jedoch nach wie vor mit dem Projekt nicht einverstanden. Alle unmittelbaren Nachbarn haben in schriftlicher Form Einwände bei der Behörde abgegeben, sie wurden allesamt abgewiesen.

Zum einen ist es die Größe des angedachten Baukomplexes, die den Nachbarn aufstößt. Denn auch wenn die Höhe des Wohnbaus unter jener des höchsten Gebäudes dort liege, so sei doch das Gesamtvolumen um einiges größer, lautet ein Einwand.

Ein Liegenschaftsbesitzer macht sich auch Sorgen, dass nach der Errichtung des Wohnbaus die notwendige Sonneneinstrahlung für sein dahinter gelegenes Passivhaus nicht mehr gegeben sei. Dass er, um dies abzuklären, angeforderte Pläne von der Behörde nicht zur Verfügung gestellt bekam, ärgert den Betroffenen.

Einwände wurden auch gegen die angedachte Luftwärmepumpe erhoben. Man befürchtet, dass diese aufgrund ihrer Leistung zu laut sei. Dass sich die Gemeinde hier als nicht zuständig erklärte, wird ebenfalls bekrittelt.

Auch mit der Optik des neuen Wohnbaus können die Anrainer wenig anfangen. Das neue Gebäude würde sich nicht in die alte Baustruktur einfügen, meint eine Anrainerin und fragt generell: „Brauchen wir in Waidhofen überhaupt so viele Wohnungen?“

Geologie als Kritikpunkt

Größter Kritikpunkt der Anrainer ist aber nach wie vor die Geologie. „Auch wenn die Tiefgarage gefallen ist, müssen für die Bodenplatte Grabungsarbeiten durchgeführt werden, die das Konglomerat beanspruchen“, sagt eine Anrainerin. „Schäden am Konglomerat zeigen sich ja erst schleichend.“ Die Anrainer bekritteln, dass es lediglich eine geologische Voruntersuchung gebe und der Landesgeologe das Projekt, nachdem die Tiefgarage gefallen war, ohne weitere Auflagen abgesegnet habe. Nur auf der geologischen Voruntersuchung basierend lasse sich aber kein aussagekräftiger Rückschluss auf die Gesamtsituation des Konglomerats dort ziehen, ist man überzeugt.

Die Anrainer fordern deshalb eine gesamtgeologische Untersuchung, die vor dem Abriss des alten Gebäudes gemacht werden soll. Bereits im Vorjahr wurde von den Anrainern auf eigene Kosten ein Geologe beauftragt, die Gesamtsituation zu bewerten. „Dieser Geologe erachtete schon das bloße Abreißen des Gebäudes als bedenklich für die Geologie“, berichtet ein Anrainer.

„Wir sind besorgt“, sagt eine Anrainerin und verweist auf den massiven Felssturz in Böhlerwerk 2017 sowie den Gesteinsabbruch in der Ybbsitzer Straße 2019. „Wir haben das Gefühl, dass wir von Amtsseite nicht gehört werden. Unsere Einwände wurden von der Behörde einfach weggewischt. Diese sind aber durchaus berechtigt. Wir fordern, dass die Behörde ihre Hausaufgaben macht.“

„Als ich nach Waidhofen gezogen bin und zum Haus bauen begonnen habe, wurde mir von der Gemeinde gesagt, dass der Boden hier heikel ist und man beim Konglomerat achtgeben muss“, erzählt ein Anrainer. „Die Behörde sollte die Sicherheit gewährleisten. Die Nachbarn haben das berechtigte Gefühl, hier im Stich gelassen zu werden.“

„Anrainer wollen dieses Projekt einfach nicht“, Bauherr Hans-Peter Panholze

Bauherr Hans-Peter Panholzer möchte die Einwände der Anrainer nicht gelten lassen. „Fakt ist, es wird kein Eingriff in das Konglomerat vorgenommen. Die Ängste der Anrainer sind nicht berechtigt. Es handelt sich dabei um ungerechtfertigte Behauptungen. Die Anrainer wollen dieses Projekt einfach nicht“, sagt er. „Die Behörde hat dieses Projekt genau geprüft. Diese Prüfung fiel positiv aus. Es liegen unzählige Gutachten vor, die die Unbedenklichkeit bestätigen. Sonst würde die Behörde ja keinen positiven Bescheid ausstellen. Es wurde alles rechtmäßig umgesetzt.“

Gefahr für die Häuser auf der Ybbsseite sieht der Unternehmer nicht. Diese Häuser stünden auf einem sicheren Fundament. Und was den Lichteinfall bei der Liegenschaft hinter dem Wohnbau betreffe, so werde die Situation für diese sogar besser. Die Installierung einer hocheffizienten Wärmepumpe sei vorgeschrieben.

„Es wurde alles entsprechend der Bauordnung gemacht“, sagt Panholzer und verweist darauf, dass er seine vor einem Jahr getätigten Zusagen auch einhalte. So werde er Grund für eine Verbreiterung der Burgfriedstraße und zur Errichtung eines Gehsteigs zur Verfügung stellen. Auch Parkflächen seien mit der Garage ausreichend vorhanden.

Stadtchef: „Mische mich nicht in Verfahren ein“

Bürgermeister Werner Krammer verweist auf ein laufendes Behördenverfahren. „Ich kenne den aktuellen Stand hier nicht und mische mich hier auch nicht ein.“ Er habe damals vor der Einreichung einen intensiven Austausch mit den Anrainern gehabt und die Einwände, die sich wegen des Konglomerats vor allem gegen den Bau einer Tiefgarage gerichtet hätten, aufgenommen, sagt der Stadtchef.

Der Landesgeologe habe sich die Situation dann angesehen und klar festgelegt, welche Kriterien zu erfüllen seien, damit gebaut werden dürfe. „Dies wurde dem Bauwerber mitgegeben. Der hat das Projekt dann adaptiert, die Tiefgarage fiel weg, womit den Befürchtungen der Anrainer entsprochen wurde. Das Projekt wurde eingereicht und wird von der Behörde geprüft. Danach habe ich mich ausgeklinkt. Das ist ein ganz normales Bauverfahren, da mische ich mich nicht ein.“

Die Anrainer der Burgfriedstraße haben den Baubescheid nun beeinsprucht. Damit ist der Stadtsenat als Baubehörde zweiter Instanz am Zug.