Das Mostviertel am Buchmarkt. Am 14. August kommt Helmut Scharners dritter Krimi mit dem Titel „Mostviertler Jagd“ in die Buchläden.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 14. August 2019 (04:40)
Lisa Hofbauer
Am 14. August erscheint Helmut Scharners neuester Kriminalroman „Mostviertler Jagd“, der die Leser erneut zu bekannten Schauplätzen in der Region entführt – unter anderem auch nach Maria Seesal in Ybbsitz. Foto: Lisa Hofbauer

Ein Zwölfender liegt erschossen auf einer Waldlichtung – das ist der Start eines neuen Falles für Kommissar Leopold Brandner und für den neuen „Mostviertel“-Krimi des gebürtigen Ybbsitzers Helmut Scharner (44). So spannend wie das Buch beginnt, so geht es auch weiter: Die illegalen Abschüsse mehren sich. Brandner geht zunächst von der Tat eines Wilderers aus – bis auch Menschen dem Täter zum Opfer fallen ...

„Ich möchte den Leser zwar nicht belehren, ihm aber Einblicke in die Schuhproduktion in Billiglohnländern geben.“Autor Helmut Scharner

Nach den ersten beiden Kriminalromanen „Mostviertler“ und „Mostschlinge“ erscheint am 14. August mit „Mostviertler Jagd“ nun schon das dritte Buch, in dem Scharner seinen Helden, Kommissar Leopold Brandner, quer durch das ganze Mostviertel auf Verbrecherjagd schickt.

Wie auch bereits bei den Vorgänger-Romanen macht Scharner auch in „Mostviertler Jagd“ mit seiner Schreibfeder bekannte Orte in der Region unsicher. Der erschossene Zwölfender wird etwa auf einer (wenn auch fiktiven) Alm am Königsberg in Hollenstein gefunden, weitere Spuren führen Brandner ins Rothschildschloss nach Waidhofen oder nach Maria Seesal in Ybbsitz. „Alle Orte sind mir bekannt. In der Nähe von Maria Seesal bin ich aufgewachsen, in Waidhofen habe ich zehn Jahre lang gewohnt und in Hollenstein bin ich immer wieder gerne mit dem Rad unterwegs“, erzählt Scharner.

Der Krimiautor wuchs in Ybbsitz auf einem Nebenerwerbsbauernhof auf, besuchte die HTL in Waidhofen und lebte zehn Jahre lang in Waidhofen, bevor er vor drei Jahren mit seiner Frau und seiner Tochter nach St. Georgen/Ybbsfelde übersiedelte.

Auch Schauplätze in Billiglohnländern

Nicht nur durch die Region, auch ins Ausland führt die Krimireise: Neben den Morden im Ybbstal wird auch ein zweiter Handlungsstrang eingeflochten. Dieser dreht sich um die Sportschuhhersteller Schuster, die treuen Scharner-Lesern bereits aus seinen ersten Krimis bekannt sind. In Billiglohnländern wie Vietnam, Brasilien und Äthiopien erhält man Einblicke in die dortigen Arbeitsbedingungen in einer Schuhfabrik.

„Ich möchte mit meinem Krimi auch Globalisierungskritik üben. Zwar möchte ich die Leser nicht belehren – die Spannung steht immer noch im Vordergrund –, aber ich möchte den Lesern dennoch Einblick in Dinge geben“, sagt Scharner.

Auch im zweiten Handlungsstrang baut Scharner seine eigenen Erfahrungen ein: Seit mittlerweile 19 Jahren ist der Schriftsteller im Hauptberuf bei der voestalpine im Verkauf tätig. Das Unternehmen beliefert unter anderem auch Schuhhersteller mit Werkzeugen, wodurch Scharner schon einige Schuhfabriken in Vietnam oder in Brasilien besichtigte.

Während die Schauplätze in Scharners Krimis real sind, entspringen die Figuren in seinen Werken ausschließlich seiner Fantasie. „Natürlich kann es immer wieder sein, dass sich der eine oder andere in meinen Büchern wiedererkennt, aber das ist gewiss nicht beabsichtigt“, sagt der Autor. Und auch die Industriellenfamilie Schuster hat keinerlei reale Vorbilder. „Die Schuhproduzenten Schuster sind zwar eine Industriellenfamilie aus dem Ybbstal, aber bewusst in einem Segment, das es hier in der Region nicht gibt.“

Regionalkrimis wurden immer populärer

Mittlerweile hat sich Scharner am regionalen Buchmarkt schon fest als Krimiautor etabliert. Doch er hat nicht immer Kriminalromane geschrieben: „Mit zwei anderen Romanen, satirisch-humorvollen Liebesgeschichten, habe ich das Schreiben für mich entdeckt“, erzählt er. Doch es dauerte nicht mehr lange und Scharner verschrieb sich voll und ganz dem Kriminal-Genre. „Ich lese auch privat hauptsächlich Krimis und Thriller, daher wollte ich mich auch einmal in diesem Bereich versuchen“, sagt er.

Und der Versuch ist gelungen: Der renommierte Gmeiner Verlag legte alle drei von Scharners Mostviertel-Kriminalromanen auf und auch die Lesungen Scharners sind stets gut besucht. „Natürlich ist das Interesse an den Büchern in der Region größer, weil man ja die Schauplätze kennt. Aber die Bücher verkaufen sich auch außerhalb des Mostviertels gut“, freut sich Scharner.

Mittlerweile sind Krimis am Buchmarkt heiß begehrt – doch als Scharner begann, sich diesem Genre zu widmen, war die Situation für deutschsprachige Kriminalromane keine leichte. „Damals wurden fast keine deutschen oder österreichischen Krimis verlegt“, erzählt er. Diese Situation hat sich in den letzten Jahren aber gedreht und auch Regionalkrimis wurden immer populärer. Von den typischen Regionalkrimis, die sich meistens eher als sogenannte „Cosy Crime“-Storys (eher gemächliche Kriminalromane, in denen es nicht vorrangig um die Spannung geht) verstehen, will sich Scharner aber bewusst abgrenzen.

„Die Geschichte um Familie Schuster ist jetzt erst einmal abgeschlossen. Ich kann aber nicht ausschließen, dass der Kommissar nicht in weitere Fälle verwickelt wird.“Helmut Scharner

„In meinen Krimis geht es schon wesentlich um das Element der Spannung“, sagt der Ybbsitzer. „Auf dem breiten Markt der Kriminalliteratur habe ich versucht, eine Nische für mich zu finden. Ich habe mich gefragt, in welchem Gebiet kenne ich mich besser aus als andere Autoren?“ Und so stieß der heute 44-Jährige schließlich vor mehr als sechs Jahren auf das Thema Schuhherstellung und den Schauplatz Mostviertel. Auch angehenden Autoren legt Scharner nahe, über etwas zu schreiben, für das man sich selbst interessiert. „Außerdem hilft es, selbst viel in dem Genre, in dem man sich bewegen will, zu lesen“, sagt er.

Wie es mit seiner literarischen Karriere weitergeht, weiß Scharner derzeit noch nicht: „Nach ‚Mostviertler Jagd’ ist die Geschichte rund um Familie Schuster erst einmal abgeschlossen“, sagt Scharner. „Ich kann aber nicht ausschließen, dass der Kommissar – ja, er überlebt, im Gegensatz zu anderen bekannten Figuren im Roman – nicht in den einen oder anderen weiteren Fall verstrickt wird.“ In den kommenden Monaten stehen für den Autor aber einmal zahlreiche Lesungen an (siehe unten).

„Ich will erst einmal abwarten, wie das Buch ankommt. Dann entscheide ich, welches Projekt ich als nächstes angehe“, sagt Scharner. Auch einen Ausflug in andere Genres schließt er nicht aus. „Meine Frau und ich erzählen unserer vierjährigen Tochter momentan sehr viele Geschichten – vielleicht entwickelt sich da ja einmal ein Kinderbuch daraus“, lacht er.

Traurig, die Figuren und die Welt, an der er nun drei Jahre lang gearbeitet hat, zurückzulassen, ist Scharner nicht wirklich: „Natürlich wachsen einem als Autor die Figuren ans Herz, aber meine Figuren waren allesamt nicht wirklich sympathische Figuren.“