Corona als schwerer Schlag für Waidhofens Kulturbranche. Das kulturelle Leben in Waidhofen an der Ybbs steht still. Theater, Konzerte und Filmvorführungen liegen derzeit auf Eis.

Von Andreas Kössl und Lisa Hofbauer. Erstellt am 18. März 2020 (04:22)
Auch das Kino bleibt geschlossen. Keine leichte Situation für Filmbühne-Betreiber Andreas Leitner. Die Einkünfte bleiben damit aus.
Kössl

Im Kultur- und Veranstaltungsbereich steht derzeit aufgrund der Corona-Krise auch im Ybbstal alles still. Bereits am Dienstagnachmittag hat die Stadt alle ihre öffentlichen Veranstaltungen abgesagt. Die anderen Ybbstalgemeinden folgten im Laufe der Woche.

„Kann sein, dass es dann kein Frühlingsball, sondern ein Herbstball wird.“Förderband-Obmann Martin Dowalil

Gecancelt hat auch die Waidhofner Volksbühne ihre Theaterinszenierung von „Dornröschen“ nach dem Märchen der Brüder Grimm, die am Samstag, 4. April, im Plenkersaal Premiere gehabt hätte.

„Da wir nicht wissen, ob die Beschränkungen mit 3. April wirklich aufgehoben werden und es jetzt gerade an den Kulissenbau gegangen wäre, der sehr arbeitsintensiv ist, haben wir uns dafür entschieden, die Aufführungen abzusagen“, sagt Volksbühne-Obmann Alexander Riess.

„Natürlich haben wir aber auch aus Schutz für die Schauspieler und das Publikum gestoppt. In der jetzigen Situation, wo es gilt, Sozialkontakte zu meiden und Schulen geschlossen werden, ist es sicher nicht gut, wenn man 300 Leute, da runter auch viele Großeltern, die die Vorstellung mit ihren Enkeln besuchen, in einen Saal steckt“, so Riess weiter.

Mit den Probenarbeiten für das Kindertheaterstück haben die Laienschauspieler der Volksbühne bereits im Jänner begonnen. Das Stück möchte man deshalb entweder im nächsten oder übernächsten Jahr nachholen.

Schlosshofspiele-Proben sollen im April starten

Die Probenarbeiten für die Waidhofner Schlosshofspiele im Juli sollen, sofern sich die Situation bis dahin entspannt, Anfang April starten. Gegeben wird „Der Talismann“ von Johann Nestroy. „Geprobt wird vorerst einmal in kleinen Gruppen“, sagt Riess. „Und dann hoffen wir, dass sich wieder Normalität einstellt.“

Absagen musste der Waidhofner Kulturverein Förderband seinen ersten Förderbandball, der am Samstag, 28. März, im Kristallsaal des Rothschildschlosses über die Bühne hätte gehen sollen.

Ende März sollte der erste Ball des Kulturvereins Förderband im Kristallsaal über die Bühne gehen. Daraus wird nun nichts.
KV Förderband

„Wir haben unseren Ball auf unbestimmte Zeit verschoben und schauen jetzt einmal, wie sich die Situation weiterentwickelt“, sagt Förderband-Obmann Martin Dowalil. „Kann sein, dass es dann kein Frühlingsball, sondern ein Herbstball wird.“ Das geplante Sommer-Open-Air mit Attwenger am 14. August im Schlosshof hofft man, wie geplant durchführen zu können.

Corona hinterlässt auch Spuren bei Kammerorchester

Auch am Waidhofner Kammerorchester geht der Coronavirus nicht spurlos vorbei. Bereits am vergangenen Dienstag sagte der Orchestervorstand die für 28. und 29. März geplanten Frühlingskonzerte mit den Solisten Yuko und Roland Batik sowie Heinrich Werkl ab.

Einen kleinen Lichtblick gibt es für das Orchester aber: „Es ist geplant, das Programm dann nächstes Jahr 1:1 nachzuholen“, informiert Pressereferent Rafael Ecker. „Dies haben wir auch schon mit Roland Batik besprochen, der sehr gerne dazu bereit ist.“

Auch die Proben sind derzeit abgesagt und setzen frühestens nach Ostern wieder ein. „Wir nutzen die entfallene Probezeit für anstehende Archivarbeiten“, sagt Ecker.

Vergangene Woche noch geöffnet blieb die Waidhofner Filmbühne. Unter der Voraussetzung, dass maximal 100 Karten pro Vorstellung bei freier Platzwahl ausgegeben wurden, hielt man den Spielbetrieb vorerst noch aufrecht. Am Samstag war dann aber auch im Kino Schluss. „Es geht momentan darum, Sozialkontakte zu minimieren. Das Kino ist ein Ort, wo die Leute zusammenkommen. Das geht nicht zusammen“, sagt Filmbühne-Geschäftsführer Andreas Leitner.

Wie lange das Kino geschlossen bleibt, kann er derzeit freilich nicht sagen. Mit bis zu vier Wochen rechnet er aber schon. „Für alle Freizeit- und Kulturbetriebe bedeutet die jetzige Situation natürlich einen starken Einschnitt“, sagt Leitner. „Vor allem für KMU im Kulturbereich und Kinos im Speziellen verschärft sich die durch Streaming-Angebote und den Rückgang der Besucher der jüngeren Altersgruppen ohnehin schon schwierige Lage.“

Dazu kämen laufende Nachrichten zu Startterminverlegungen von potenziell besucherstarken Filmen, führt der Kinobetreiber aus. „Vor allem Filme, die sich am US-Markt orientieren, wurden nun weit nach hinten verlegt. Auch wenn wir im Mai wieder öffnen können, fehlen diese Filme als Einnahmequelle.“

Eingestellt wurde auch der Veranstaltungsbetrieb im KulturKeller des Pubs Um’s Eck 2.0. „Das Konzert von Monika Zöchling, das für Freitag angesetzt war, wird bis auf Weiteres verschoben“, sagt Betreiber Thomas Wurzenberger.