Manuela Zebenholzer: „Baustellenjahre stehen uns bevor“. Hollensteins Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer über Rathausumbau, Mure, Hochwasserschutz, Wohnen und Tourismus.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 19. April 2019 (04:00)
Kössl
Mit dem Rathausumbau, der Sanierung der Mure Gallenzen und dem Hochwasserschutz an der Ybbs würden in Hollenstein einige intensive Baustellenjahre bevorstehen, kündigt Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer an

NÖN: Frau Bürgermeister, Anfang des Jahres ist die Gemeinde ins Vereinshaus übersiedelt, weil das Rathaus saniert wird. Was ist im Zuge dieser Sanierung geplant?

Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer: Wir sanieren das Gebäude komplett, vom Keller bis zum Dach. Damit das Rathaus barrierefrei wird, wird ein Lift eingebaut. Die Bücherei wird vom zweiten Stock ins Erdgeschoß siedeln, damit es bürgerfreundlicher wird. Außerdem werden alle Räumlichkeiten – außer dem Bürgerservice, welches im Erdgeschoss verbleibt – in den ersten Stock wandern. Im zweiten Stock wird ein Veranstaltungssaal ausgebaut, damit dort neben Gemeinderatssitzungen, diversen Schulungen und Seminaren auch Trauungen stattfinden können.

Wie weit ist das Projekt?

Zebenholzer: Wir befinden uns gerade in der Ausschreibungsphase. Unser Wunsch ist es, Anfang Juni mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Gut zwei Jahre wird es dann dauern, bis wir wieder einziehen können. Das ist ein Megaprojekt, ich sehe es aber in unserer Verantwortung, dieses 400 Jahre alte Gebäude für die kommenden Generationen zu erhalten. Dieses Haus hat eine so lange Geschichte, dass die lange Bauzeit und die investierte Summe, die unter anderem durch die Vorgaben des Denkmalschutzes bedingt ist, gerechtfertigt sind.

Ein zweites großes Projekt, das ansteht, ist die Sanierung der Mure Gallenzen. Wie weit ist man da?

Zebenholzer: Es gab vor Kurzem einen Termin mit der Wildbach- und Lawinenverbauung, bei dem uns das Projekt neu vorgestellt wurde. Mittlerweile wurde es ein bisschen redimensioniert und auch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit optimiert. Ich rechne mit einem Baubeginn Ende des Jahres bzw. Anfang des nächsten Jahres.

Welche Kosten kommen da auf die Gemeinde zu?

Zebenholzer: Laut Aussagen von Landesrat Ludwig Schleritzko verbleiben zehn Prozent der Kosten bei der Gemeinde. Ursprünglich waren das 345.000 Euro, da das Projekt jetzt aber weniger kosten wird, wird auch die Belastung für die Gemeinde dementsprechend geringer.

Machte die Mure in letzter Zeit Probleme?

Zebenholzer: Nein, es schaut so aus, als würden die ersten Maßnahmen gut greifen und als hätte sich alles gut stabilisiert.

Ein weiteres großes Thema in Hollenstein ist der Hochwasserschutz an der Ybbs. Was ist da geplant und wann soll es umgesetzt werden?

Zebenholzer: Wie es ausschaut, werden wir die Arbeiten am Hochwasserschutz mit den Arbeiten bei der Mure kombinieren können. Das Aushubmaterial bei der Mure ist nämlich als Dammmaterial für die Ybbs geeignet. So können wir Synergien nutzen und Kosten sparen. Das heißt auch, dass wir das Hochwasserschutzprojekt vorziehen können. Mit Rathaus, Mure und Hochwasserschutz stehen uns einige sehr intensive Baustellenjahre bevor.

Kommen wir zum Thema Wohnen: Da wurden zuletzt einige Baugründe aufgeschlossen.

Zebenholzer: Ja, im Ort wurden die Frühwaldgründe auf- geschlossen. Das sind zehn Parzellen, von denen sechs bereits verkauft wurden, zwei sind reserviert und zwei sind noch zu haben. Bei der Fachschule Unterleiten werden 18 Baugründe von den Bundesforsten aufgeschlossen. Auch da gibt bereits einige Interessenten.

Handelt es sich bei den Leuten, die Baugründe in Hollenstein kaufen, um Leute aus dem Ort oder gibt es auch Zuzug?

Zebenholzer: Das sind Leute aus dem Ort. Aber wir haben auch ein bisschen Zuzug. Es gibt immer wieder Leute, die sich in der Pension ein Haus in Hollenstein kaufen. Was mich aber besonders freut, es kommen auch immer wieder junge Leute zurück.

In welchem Bereich bewegen sich die Grundstückspreise in Hollenstein derzeit?

Zebenholzer: 48 Euro kostet der Quadratmeter Baugrund im Ort, außerhalb liegen wir zwischen 42 und 43 Euro.

Wie sieht es mit Wohnungen in Hollenstein aus?

Zebenholzer: Erst kürzlich hatten wir beim sechsten Wohnbau der Siedlung Amstetten die Schlüsselübergabe. Da waren alle neun Wohnungen gleich wieder weg.

„In einem Bereich in Kleinhollenstein streben wir ein interkommunales Betriebsgebiet an.“Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer

Ist dort noch Platz für einen weiteren Wohnbau?

Zebenholzer: Für einen ist noch Platz, dann sind wir aber voll.

Im Gegensatz zu anderen Gemeinden im Oberen Ybbstal hat sich die Abwanderung in Hollenstein in den letzten Jahren in Grenzen gehalten. Die Bevölkerungszahl stagniert. Was macht Hollenstein anders? Zebenholzer: Unser Vorteil ist vielleicht, dass wir sowohl den Erholungsfaktor in der Natur als auch den touristischen Bereich abdecken. Ich glaube, viele Leute haben die Hektik im städtischen Bereich satt und nehmen es in Kauf, zum Arbeitsplatz zu pendeln, wenn dafür das Wohnumfeld ruhiger ist. Zusätzlich bemühen wir uns, ein Angebot für die Kinder und Jugendlichen bereitzuhalten. Das beginnt bei der Schule, die wir attraktiv halten und schließt die Betreuung der Kinder am Nachmittag mit ein. Seit Kurzem sind wir auch Naturparkschule und forcieren dort die Kooperation mit unserem Naturpark. Nicht zuletzt sind es auch unsere Nahversorger, die einen großen Anteil an unserer hohen Lebensqualität haben. Deshalb bitte ich, regional im Ort einzukaufen.

Hollenstein ist seit Kurzem plastikfreie Gemeinde. Welche Initiativen sind da am Laufen?

Zebenholzer: Da befinden wir uns noch in der Findungsphase. Wichtig ist die Bewusstseinsbildung. Das funktioniert bei den Unternehmen schon recht gut. So gibt es beim Sparmarkt im Ort nun etwa auch wiederverwendbare Netzsackerl für das Obst.

Kommen wir zum Tourismus: Wie weit ist das Projekt „Zeitreise- Waggon“ gediehen?

Zebenholzer: Bis zum „Kim hoam Fest“, das wir Ende Juni haben, möchten wir den Waggon als Mini-Museum eröffnen. Die Außensanierung des Waggons startet gerade. Auch einige Requisiten, wie alte Anzüge oder Kartuschen, haben wir schon. Parallel dazu sind wir dabei, Zeitzeugen zu interviewen, damit wir Videomaterial zur Verfügung stellen können. Mit dem „Zeitreise-Waggon“ wollen wir der Ybbstalbahn ein bleibendes und positives Andenken bieten.

Wie sieht es mit Beherbergungsbetrieben am Ybbstalradweg aus? Gibt es da in Hollenstein Bedarf?

Zebenholzer: Absolut. Wir haben aber auch schon wieder einige neue Beherberger dazubekommen, was natürlich sehr positiv ist. Dort, wo früher das Café Picador war, befinden sich nun schöne Appartements.

Wie steht es um die Zukunft der Fachschule Unterleiten? Gibt es da schon Konkreteres bzgl. der Zusammenlegung mit der Fachschule Hohenlehen?

Zebenholzer: Das politische Ziel des Landes ist die Zusammenlegung. Konkretes Datum gibt es da aber noch keines. Ich glaube auch nicht, dass das in den nächsten fünf Jahren durchgeführt werden kann. Da muss in Hohenlehen noch so viel geplant und gebaut werden. Mir persönlich wäre wichtig, dass der Standort erhalten bleibt. Wenn man sich anschaut, wie das Team dort zusammenarbeitet und was die Mädchen dort lernen, so ist das großartig.

Welche Projekte stehen in der Gemeinde noch an?

Zebenholzer: Wir haben gerade ein neues Raumordnungsentwicklungskonzept erstellt. Da läuft derzeit die Umweltprüfung durch das Land NÖ. Dabei geht es neben Rückerschließungen von Bauland oder neuen touristischen Flächen auch um die Schaffung von Betriebsgründen. Konkret geht es um einen Bereich in Kleinhollenstein, wo wir ein interkommunales Betriebsgebiet anstreben.

Kommendes Jahr stehen wieder Gemeinderatswahlen an. Werden Sie wieder als Spitzenkandidatin der SPÖ ins Rennen gehen?

Zebenholzer: Es schaut danach aus. Es ist schließlich eine sehr schöne Aufgabe, als Bürgermeisterin etwas gestalten zu können.