Hollensteinerin schrieb Prosaband „Schalenmenschen“. Nach zwei Lyrikbänden veröffentlichte Lydia Steinbacher den Prosaband „Schalenmenschen“.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 04. April 2020 (03:34)
Ende des vergangenen Jahres erschien Lydia Steinbachers erster Prosaband „Schalenmenschen“.
Steinbacher

Beziehungen – das ist das zentrale Motiv des neuen Buchs der Hollensteinerin Lydia Steinbacher. In ihrem ersten Prosaband „Schalenmenschen“ nimmt die 26-Jährige, die heute in Wien lebt und arbeitet, sowohl zwischenmenschliche Relationen – seien es familiäre Konstellationen, Liebesbeziehungen oder Begegnungen völlig Unbekannter – sowie auch Beziehungen zwischen Mensch und Tier in den Blick und stellt sie gleichwohl nüchtern wie sprachgewaltig dar.

Die Geschichten werden dabei immer wieder von Rückblenden und Traumsequenzen durchbrochen, die noch eine weitere „Schicht“ – ganz im Sinne der titelgebenden „Schalenmenschen“ – hinter dem Vordergründigen freilegen. Motiv vieler der insgesamt 20 Erzählungen ist die „Dichotomie zwischen Innen und Außen“, wie die junge Autorin sagt. „Traum- und Erinnerungssequenzen sowie das Gefühl, zu der Gedankenwelt anderer nicht vollends durchdringen zu können, spielen dabei eine wesentliche Rolle. Immer wieder werden die Figuren zurückgeworfen auf die Empfindung ihrer Vereinzelung in der Masse, ein Gefühl der Einsamkeit und des Verlusts.“

Der Prosaband „Schalenmenschen“ ist aber nicht das erste Werk, mit dem Steinbacher in der Literaturwelt auf sich aufmerksam macht. Bereits im Jahr 2014 erschien ihr erstes Buch: ein Lyrikband mit dem Titel „silex“. 2017 folgte dann der zweite Gedichtband „Im Grunde sind wir sehr verschieden“.

Erster Roman soll bald folgen

Das Schreiben nahm schon immer einen großen Stellenwert im Leben Steinbachers ein. „Ich habe schon früh zu schreiben begonnen und war auch lange Mitglied in der Waidhofner Schreibakademie“, sagt sie. Ihre Inspiration nimmt sie meist aus persönlichen Erlebnissen, egal ob auf Reisen oder innerhalb der eigenen vier Wände, aus eigenen oder fremden Erinnerungen, aus Kunstbetrachtungen oder auch aus Träumen. „Aber auch in ganz alltäglichen Begebenheiten steckt das Potenzial, erzählenswert zu sein. Ich habe immer ein Notizbuch dabei, in das ich schnell einen Gedanken kritzeln kann“, sagt die Autorin.

„Das spontane Niederschreiben ist aber nur eine Seite – das sorgfältige Sortieren der Fragmente, das schrittweise Auffächern der Ideen, das Feilen und Verwerfen der ersten Fassungen gehört natürlich genauso dazu.“ Derzeit schreibt die 26-Jährige an ihrem ersten Roman, wenn auch „noch mehr im Kopf als auf Papier“.

Neben dem Schreiben gehören auch Malen – die Illustration auf dem Prosaband „Schalenmenschen“ stammt aus ihrer eigenen Feder – und natürlich Lesen zu Steinbachers Leidenschaften: „Es gibt zahlreiche Autorinnen und Autoren, deren Arbeiten mich auf die ein oder andere Weise faszinieren, etwa Ilse Aichingers starke Symbolik in ihrem Roman ‚Die größere Hoffnung‘, die dunklen Abwärtsbewegungen in Trakls Gedichten oder die glühende Sprache eines Vicente Aleixandre.“

Die corona-bedingte Zeit daheim verbringt die Autorin mit gesammelten Kurzgeschichten des argentinisch-französischen Autors Julio Cortázar. „Die derzeitige in mancherlei Hinsicht surreal anmutende Situation, die Unsichtbarkeit der Bedrohung, die Momente, in denen man sich nach mehrstündiger Medienaskese fragt, ob das alles überhaupt ‚echt‘ ist oder man selbst womöglich die Einzige ist, die stumm in ihrer Wohnung hockt, könnten auch Motive einer seiner Geschichten sein“, sagt Steinbacher.