Perlen des Austropop im Plenkersaal . Der Nino aus Wien und Ernst Molden brachten im Plenkersaal Perlen des Austropop zu Gehör.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 18. September 2019 (03:23)

Preziosen des Austropop haben Ernst Molden und Der Nino aus Wien auf „Unser Österreich“ gehoben. Am Donnerstag der Vorwoche waren die beiden Wiener Songpoeten auf Einladung des Vereins Spielplatz Kunst+Kultur im Rahmen der ersten Waidhofner mundART-tage im Plenkersaal zu Gast, um ihr 2015 erschienenes Album vor rund 120 Besuchern zu Gehör zu bringen.

Mit Wolfgang Ambros’ Trennungsballade „Baba und foi ned“ startete das Duo sanft melancholisch in den Abend, um gleich darauf mit Sigi Marons „De Spur von dein nokatn Fuass im Saund“ das einzige „Urlaubslied“ dieses großen politischen Liedermachers nachzulegen. „Nachtflug“ aus Falcos Spätwerk wurde ebenso gegeben, wie Hellers euphorisches „Und dann bin i ka Liliputaner mehr“ oder Georg Danzers „Tschik“. Mit „Wie wird des weitergehn“ und „Espresso“ schafften es auch zwei der anrührendsten Am-
bros-Stücke überhaupt auf die Setlist.

Spartanisch instrumentiert entfalteten diese zwischen Traurigkeit, Verzweiflung und Depression oszillierenden Songperlen im Waidhofner Plenkersaal wie schon auf Platte eine unfassbare Schönheit – egal ob vom Nino geklampft oder von Moldens virtuosem Gitarrenspiel gestützt.

Zu Herzen gehende dunkelgraue Lieder

Das große Verdienst dieser Kooperation zwischen dem Schlurf (Nino) und dem Strizzi (Molden) ist es, dem Zuhörer die Magie dieser dunkelgrauen Lieder wieder in Erinnerung zu rufen. Lange wurde der Austropop ja geächtet. Wanda und Bilderbuch mögen ihn in den letzten Jahren wieder hip gemacht haben, Ernst Molden und Der Nino aus Wien haben es schon davor geschafft, dass diese Musik wieder zu Herzen geht.

In Waidhofen kam aber nicht nur fremdes Liedgut, sondern auch eigenes Material zur Aufführung: Ein neuer noch namenloser Song vom Nino stand da neben Altbewährtem von Molden („Blaue Aung, rode Hoa“) und gemeinsamen Kompositionen für einen Zirkusfilm, den es leider noch nicht gibt. Gänsehaut kam bei den aus dem Englischen übertragenen Liedern auf: Während Molden „Grapefruit Moon“ aus Tom Waits Debüt „Closing Time“ mit „Göba Mond“ genial in den Dialekt übersetzte, bewies der Nino mit seiner Version von „Simple Twist of Fate“ („Der Mai ist vorbei“), warum er „Der Dylan vom Praterstern“ genannt wird. Und dazwischen lief der Schmäh.

Von Heller/Qualtinger ins Stuwerviertel

Im Zwiegesang gerieten dann noch Ninos Eifersuchtslamento „Du Oasch“ und „Im grünen Wald von Mayerling“ von Heller und Qualtinger zu zwei Höhepunkten dieses an Höhepunkten nicht gerade armen Abends. In die Verlängerung ging es mit dem „Praterlied“. Darin gewährt der Nino Einblicke in sein Leben im Stuwerviertel, wobei auch die Ybbstalmetropole eine Rolle spielt: „Nächste Wochn fohr i Waidhofen, des Leben hod jo eh an Sinn“ heißt es da an einer Stelle.

Mit nach Hause nehmen durfte man von diesem wunderbaren Konzertabend auch zwei wichtige Erkenntnisse: zum einen, dass der Voodoo-Kult auch in den Sümpfen südlich von Wien fröhliche Urständ feiert („Schwarzmarie“) und zum anderen, dass Danzers „Vorstadtcasanova“ eher nicht beim Adventkranz intoniert werden sollte.