Hanger & Ibiza-Ausschuss: „Werde nun viel angefragt“. Seit Andreas Hanger die VP-Fraktion im Untersuchungsausschuss führt, jagt ein Medien-Termin den anderen.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 22. April 2021 (05:49)
Seit Andreas Hanger die VP-Fraktion im Ibiza-Untersuchungsausschuss führt, ist er medial ein gefragter Mann.  Foto: Theo Kust
Theo Kust

NÖN: Herr Abgeordneter, in den vergangenen Wochen hat man den Eindruck gewonnen, dass Sie zu einem Sprachrohr der Bundes-ÖVP geworden sind. Interviews, Zuschaltungen und in den führenden Nachrichten-Formaten des ORF und anderen Medien. Hat sich Ihre Funktion geändert?

Andreas Hanger: Begonnen hat alles vor rund drei Wochen mit einem Fernsehinterview für einen Privatsender. Bei diesem Gespräch konnte ich klarstellen, dass natürlich zu jeder Zeit genügend finanzielle Mittel für die Impfstoff-Beschaffung vorhanden waren. Dadurch sind auch andere Medien auf mich aufmerksam geworden und seither darf ich fast täglich Interviews zu den verschiedensten Themen geben. Dazu kam der Umstand, dass unser Fraktionsführer im Ibiza-Untersuchungsausschuss einen Ski-Unfall hatte und ich kurzfristig diese Funktion übernehmen durfte. In dieser Funktion werde ich nun von den Medien viel angefragt.

Wie erleben Sie diesen Ibiza-Untersuchungsausschuss?

Parlamentarische Kontrolle ist wichtig. Der Ibiza-Untersuchungsausschuss verkommt aber leider zu einer politischen Bühne, auf der es nicht um parlamentarische Kontrolle, sondern ausschließlich um Skandalisierung und Unterstellungen geht. Mittlerweile drehen wir uns bei allen Themen im Kreis und es gibt keinen Erkenntnisgewinn und schon gar keine Beweise für die permanenten Unterstellungen. Das beste Beispiel dafür ist das Alois-Mock-Institut, dessen Präsident Wolfgang Sobotka ist. Das Verfahren, das auf einer anonymen Anzeige basiert, wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Die ständigen Vorwürfe und Anschuldigungen durch SPÖ, FPÖ und die NEOS haben sich damit in Luft aufgelöst. Insgesamt stellt sich die Frage, ob die hohen Kosten von mittlerweile zwei Millionen Euro für diesen Ausschuss gerechtfertigt sind.

Sie waren einer der wirkungsvollsten Obmänner der Eisenstraße, haben die Funktion intensiv gelebt und nun das Amt zurückgelegt. War das bereits der neuen Funktion geschuldet?

Es hat sich in den letzten Wochen und Monaten abgezeichnet, dass ich zusätzliche Aufgaben auf Bundesebene übernehme. Eine Neuordnung meiner regionalen Aufgaben war mir daher sehr wichtig.

Klingt das nicht ein wenig nach Kindesweglegung? Sie waren doch der, der über LEADER-Projekte viel Geld in die Region gebracht hat. Sieht man sich da nicht leid, aus dem Prozess auszusteigen?

Hanger: Eine „Kindesweglegung“ sehe ich nicht, dazu ist mir die Eisenstraße zu wichtig. Ich bleibe ja Wahlkreis-Abgeordneter und werde mich auch weiterhin mit voller Kraft für meine Region einsetzen. Wenn es der Wunsch der Gremien ist, bleibe ich auch künftig im Eisenstraße-Vorstand aktiv. Richtig ist, die Funktion des Eisenstraße-Obmannes habe ich sehr gerne ausgeübt und bei diesem Rücktritt ist auch viel Wehmut dabei.

Werden Sie Projekten wie dem Wirtschaftspark, der Forsteralm, dem Ausbau des Ybbstalradwegs treu bleiben?

Hanger: Ja, diese Projekte sind für die Region sehr wichtig und bleiben weiterhin eine Herzensangelegenheit.

Wann wird nach dieser doch recht ertragsarmen Wintersaison die Frage nach der Zukunft und dem Bestand der Forsteralm gestellt?

Hanger: Das ist eine Frage, die mich sehr beschäftigt. Für die nächsten Jahre haben wir durch die abgeschlossenen Förderverträge mit dem Land Oberösterreich eine Betriebspflicht, die wir auch einhalten werden. Ob wir darüber hinaus eine Winter-Perspektive für die Forsteralm entwickeln können, hängt davon ab, wie die nächsten Winter sein werden. Jedenfalls werden wir unsere Bemühungen intensivieren, eine ganzjährige Nutzung zu ermöglichen.

Die Zeiten in der Bundespolitik sind hart, härter als je zuvor. Sie sind nun doch in einer recht „ausgesetzten“ Situation. Wie belastend ist das? Zeitlich? Psychisch? Arbeitstechnisch? (Wir führen das Interview gerade am Sonntag ...)

Hanger: Ich habe Gott sei Dank die Gabe, auch nach einem sehr aufwühlenden Tag gut schlafen zu können. Nach einer intensiven Arbeitswoche mit wenig Schlaf kommt es schon vor, dass ich am Wochenende auch einmal zehn Stunden durchschlafe. Sehr wichtig für mich ist auch regelmäßiger Sport, der bringt den notwendigen Ausgleich. Und das Allerwichtigste, die Arbeit muss einem auch Freude machen. Und das tut sie.

Als Laie hat man geglaubt, dass Chats und SMS etwas Persönliches sind. Briefgeheimnis sozusagen. Was hat sich da geändert?

Hanger: Durch die Nachrichtendienste hat sich natürlich sehr viel verändert. Mit jeder Nachricht hinterlässt man sozusagen einen digitalen Fußabdruck. Aber auch Politiker müssen ein Recht auf Privatsphäre haben.

Sie sind ja auch Sprecher für Ehrenamt und Gemeinnützigkeit in der ÖVP-Parlamentsfraktion. Welche Initiativen wollen Sie hier in der nächsten Zeit setzen?

Hanger: Das für uns so wichtige Vereinsleben ist ja durch die Corona-Pandemie derzeit kaum möglich. Ich nehme von unseren Kultur-, Sport- und Sozialvereinen ein großes Bedürfnis nach Aktivitäten wahr, insbesondere auch im Nachwuchsbereich. Ich hoffe, dass wir möglichst rasch wieder einen Normalbetrieb haben. Für dieses Jahr planen wir eine Novelle zum Freiwilligengesetz, um die ehrenamtliche Arbeit bestmöglich zu unterstützen.

Gretchenfrage: Für wie stabil halten Sie die Koalition?

Hanger: Meinungsverschiedenheiten gehören wie in jeder Partnerschaft dazu. Die Zusammenarbeit funktioniert aber über weite Strecken sehr gut. Beide Parteien haben großes Interesse, für Österreich etwas weiterzubringen. Nach Beendigung der Pandemie warten große Aufgaben auf uns, wir müssen den Arbeitsmarkt ankurbeln und die von der Corona-Pandemie betroffenen Branchen und Bereiche bei einem Comeback bestmöglich unterstützen. Auch das Thema „Klimaschutz“ wird wieder stärker in den Fokus rücken.