Lueger im Gespräch: „Mehrheit akzeptiert die Auflagen“. Der Opponitzer Bürgermeister Johann Lueger über Corona, anstehende Projekte und den geforderten Ausbau der B 121.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 22. April 2021 (05:02)
Bürgermeister Johann Lueger hat in Opponitz derzeit mit dem neuen Gewerbegebiet Hochau, der Aufschließung einer zweiten Quelle und der Wildwasserverbauung im Ort drei große Projekte am Start.
Andreas Kössl

NÖN: Als die Corona-Pandemie vor gut einem Jahr auch das Ybbstal erreichte, war Opponitz die erste Gemeinde, die betroffen war. Derzeit ist man Corona-frei. Wie geht man in Opponitz mittlerweile mit der Situation um?

Bürgermeister Johann Lueger: Es gibt auch bei uns Leute, die die Maßnahmen kritisieren und sich nicht daran halten, aber das ist Gott sei Dank ein sehr geringer Prozentsatz. Die Mehrheit akzeptiert die Auflagen. Es geht schließlich um unsere Gesundheit und man weiß ja nie, wie sich eine Infektion auswirkt.

In Opponitz gibt es keine fixe Covid-Teststraße. Stattdessen bietet Gemeindeärztin Doris Hofbauer-Freudenthaler eine Gratis-Testmöglichkeit in ihrer Ordination an. Wie wird das angenommen?

Unsere Gemeindeärztin hat sich der Sache gleich angenommen. Ein großes Danke dafür! Durch die derzeit geltenden Ausreisetests im Bezirk Scheibbs haben sich zuletzt mehr Leute testen lassen. Sollte der Andrang in der Ordination nicht mehr machbar sein, müssen wir uns als Gemeinde etwas überlegen. Wichtig ist, dass wir vor Ort ein Testangebot haben.

In welcher Weise sind Opponitzer von den Ausreisetests im Bezirk Scheibbs betroffen?

Es handelt sich dabei vor allem um jene, die über Ybbsitz nach Randegg, Gresten, oder Scheibbs zur Arbeit pendeln, speziell zur Firma Welser. Dementsprechend sind wir auch betroffen, aber nicht so stark, als würden wir selbst an den Bezirk Scheibbs angrenzen.

Die Corona-Krise hat sich auch auf die Finanzlage der Gemeinden ausgewirkt. Wie geht es da Opponitz? Beim jüngst erstellten Rechnungsabschluss konnte doch wieder einiges an prognostiziertem Abgang wettgemacht werden.

Als Abgangsgemeinde sind wir in ständiger Absprache mit dem Land NÖ. Es ist natürlich nicht leicht, wenn man unter dem Strich immer ein Minus hat, in den nächsten Jahren aber einiges investieren möchte. Andererseits ist es als kleine Landgemeinde mit verhältnismäßig wenig Einwohnern auch nicht verwunderlich, dass man immer einen Abgang hat. Schließlich gilt es bei fast keinem Kommunalsteueraufkommen eine große Infrastruktur zu erhalten. Da geht es ohne Hilfe vom Land gar nicht. Dass es durch die Corona-Pandemie derzeit von Bund und Land zusätzliche Gelder gibt, wird uns auch noch nächstes Jahr helfen. Spannend wird es aber, wenn diese Unterstützungen wieder wegfallen. Das wird sich dann erst in drei, vier Jahren zeigen.

Mit dem geplanten Gewerbegebiet Hochau hat die Gemeinde derzeit ein großes Projekt am Start. Was ist da heuer geplant?

Für heuer ist die Aufschließung des Gewerbegebiets mit Kanal, Wasser und Strom vorgesehen. Gleichzeitig sollen in dem Bereich auch Wohnhäuser an das Wasser- und Kanalnetz angeschlossen werden. Indem die Wiener Netze ihre Stromleitung gleich mitverlegen, nutzt man Synergien und spart Kosten. Nun wurde die Firma IKW mit der Planung beauftragt. Wenn die Pläne vorliegen und es seitens der Gemeinde und der Wiener Netze grünes Licht gibt, wird es zur Ausschreibung kommen. Ziel ist, dass die Arbeiten noch heuer starten.

Die Firma Fuchs aus Ybbsitz und die Firma E-Wolf aus Opponitz werden sich auf dem neuen Gewerbegebiet ansiedeln. Für wann ist das geplant und wie viele Arbeitsplätze bedeutet das für Opponitz?

Es freut mich sehr, dass die Ansiedelungspläne der beiden Firmen auch in Krisenzeiten gehalten haben. Die Firma Fuchs will hier 2022 beginnen, ein Bürogebäude und eine Halle zu errichten. Zu Beginn kann man mit 15, 20 Arbeitsplätzen rechnen, über fünf bis zehn Jahre hinweg schon mit 40, 50 Arbeitsplätzen.

Ein zweites großes Projekt ist die Trinkwasserversorgung. Eine zweite Quelle soll erschlossen werden. Im Vorjahr hatte man eine gefunden, allerdings war die Wassermenge nicht zufriedenstellend. Wie sieht es da nun aus?

Stimmt. Wir haben dann aber im Herbst des letzten Jahres in der „Luken“ in einer Tiefe von sieben bis acht Metern ebenfalls Wasser gefunden. Diese Quelle wollen wir nun erschließen. Wenn man sich mit dem Grundbesitzer einig geworden ist, soll es eine Planung geben, wie man diese Quelle am besten in das bestehende Leitungsnetz einbinden kann. Da stehen jetzt im Frühjahr, Sommer die Gespräche an. Wir wollen in Opponitz für trockene Zeiten vorsorgen und auch ländlichen Gehöften die Möglichkeit geben, mit Gemeindewasser versorgt zu werden. Momentan geht das nicht, weil die Wassermenge der bestehenden Quelle zu gering ist.

Wie sieht es mit dem großen Hochwasserprojekt im Ort aus?

Das soll heuer für die Wasserrechtsverhandlung eingereicht werden. Ziel ist, heuer die behördlichen Genehmigungen zu bekommen. Eine Planung liegt hier schon lange vor. In den letzten Jahren haben wir uns bemüht, die Grundbesitzer mit ins Boot zu holen. Das war gar nicht so einfach. Im Zuge des Projekts soll die Wehranlage im Ort wegkommen. Hier ist das Bachbett derzeit ja so weit heraußen, dass der Bach schon bei einem mittleren Hochwasser über die Ufer tritt. Dieses Nadelöhr wollen wir entschärfen. Nächstes Jahr sollen die Arbeiten losgehen. Dieses Projekt wird rund eine Million Euro kosten, wobei der Gemeindeanteil bei 24 Prozent liegt. Da werden wir einen Kredit aufnehmen müssen, wozu wir als Abgangsgemeinde die Zusage des Landes brauchen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir diese bekommen, schließlich geht es um die Sicherheit.

Eine Wildbachverbauungsmaßnahme im Ort ist aber schon für heuer vorgesehen.

Ja, da sich der Bach im Ort über die Jahrzehnte tief in die Sole eingefressen hat, besteht die Gefahr, dass das Fundament der Bachmauer unterspült wird. Hier werden im Sommer, Herbst Solgurte eingebaut.

Wie sieht es mit dem geplanten Wohnbau im Ortszentrum aus?

Grundsätzlich freut es mich sehr, dass im privaten Bereich derzeit so viel in Opponitz gebaut wird. Es ist aber auch klar, dass wir eine Wohnhausanlage für die junge und die ältere Generation brauchen. Dafür haben wir die Fläche hinter dem Kirchenwirt schon länger im Fokus. Mit dem Grundeigentümer gibt es eine gute Gesprächsbasis. Zuerst muss dieses Gebiet aber hinsichtlich der Geologie geprüft werden. Vor einer Umwidmung müssen wir hier wissen, welche Maßnahmen in puncto Hangsicherung und Entwässerung notwendig sind. Wenn man das weiß, kann man weiter zwecks Ankauf verhandeln.

Gibt es eine Wohnbaugenossenschaft, die das umsetzen würde?

Es gibt hier gute Gespräche. Der erste Schritt ist aber, Klarheit zu bekommen, wie viel Bauland tatsächlich verfügbar ist. Es geht ja nicht nur darum, hier eine Wohnhausanlage mit zehn, zwölf Wohnungen zu errichten, sondern auch darum, das Grundstück für Einfamilienhäuser aufzuschließen.

Es gab kürzlich eine Petition der Ybbstaler Bürgermeister an den Mobilitätslandesrat mit der Forderung nach einem weiteren Ausbau der B 121 im Bereich Kematen. Das hat bei Klimaaktivisten für viel Kritik gesorgt. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Ich habe mir den Online-Vortrag von Verkehrsexperten Uli Leth angehört und wenn ich auch die Bedenken der Aktivisten verstehe, so stehe ich doch hinter dieser Forderung. Ich bin der Meinung, wenn sich wo eine Chance zur Verbesserung auftut, dann sollte man diese auch nutzen. Damit meine ich nicht nur die Straße, sondern auch eine Wirtschaftsansiedlung. Man will ja haben, dass sich die Gemeinden entwickeln und es Arbeitsplätze gibt. Dort draußen gibt es Probleme, dass der Schwerverkehr ungehindert zu den Firmen kommt. Langfristig werden wir also um einen Ausbau der Straße nicht umhinkommen. Wir Bürgermeister sind für eine positive Entwicklung verantwortlich und dafür braucht es auch eine entsprechende Infrastruktur. Natürlich muss man dabei aber mit Bedacht vorgehen und dreimal prüfen, ob es notwendig ist.

Der Ybbstalradweg ist mittlerweile ein Tourismusmagnet. Wie profitiert Opponitz davon?

Die Gastronomie im Ort profitiert natürlich vom Ybbstalradweg. Das freut mich sehr, weil sie damit auch für unsere heimische Bevölkerung in Zukunft abgesichert ist. Wir müssen aber noch lernen, diesen Ansturm touristisch besser zu nutzen. Die Leute kommen von überall her, sehen unsere Gemeinde und sagen, wenn ich das gewusst hätte, wäre ich schon öfter hier gewesen. Wir haben in Opponitz ja auch eine Naturlandschaft, die ihresgleichen sucht. Mit dem Ofenloch und dem Tunnel haben wir am Ybbstalradweg unbestritten einen der schönsten Abschnitte.