Gstettenhofer: Buchkunst und Metal-Art aus Böhlerwerk. Buchbindermeister Walter Gstettenhofer stellt nun in seinem Atelier auch Kunstwerke aus Metall her.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 07. März 2021 (06:09)

Walter Gstettenhofer
Gstettenhofer

Seit 1993 ist Walter Gstettenhofer nun schon als selbstständiger Buchbindermeister tätig. Mit seinen Metallskulpturen und Mixed-Media-Bildern ist er nun dabei, sich ein zweites Standbein als Künstler aufzubauen.

Gstettenhofer wuchs in Böhlerwerk auf und hatte dadurch schon früh einen Bezug zum Handwerk und zur Metallverarbeitung. Der übliche Weg, als Schlosser oder Dreher bei den Böhler Ybbstalwerken anzufangen, den viele Kinder von Fabriksarbeitern damals gingen, war für ihn aber nie von Interesse. Stattdessen begann er bei der Druckerei Stummer in Waidhofen als Buchbinder.

Dadurch konnte er wertvolle Informationen und Fähigkeiten im Bereich Druck, Weiterverarbeitung und Grafik sammeln. Nach der Meisterprüfung machte sich Gstettenhofer in Waidhofen selbstständig, zog später jedoch wieder nach Böhlerwerk.

„Als ich mich 1993 selbstständig gemacht habe, war mir klar, dass das Buchbinderhandwerk aussterben wird, beziehungsweise nur diejenigen überbleiben werden, die am besten und am breitesten aufgestellt sind.“ Walter Gstettenhofer

2018 bezog er ein neu eingerichtetes Atelier im Böhlerzentrum, wodurch er mehrere Interessensgebiete verknüpfen konnte. „Für mich war das ein sehr spannender Umstand, das älteste Handwerk mit Industrie zu verknüpfen“, erzählt Gstettenhofer. „Ich hatte aber eigentlich auch immer mit Metall zu tun, da ich meistens sehr aufwendige Einzelanfertigungen gemacht habe. Da war Metall neben Holz auch immer ein großes Thema. Seit ich vor circa drei Jahren mein neues Atelier bezogen habe, habe ich aber auch sehr intensiv die Liebe zum Metall entdeckt, auch weil ich mich da künstlerisch noch viel mehr artikulieren kann, als ich das teilweise bei den Büchern kann.“

Wie bei seinen Buchbinderarbeiten steht auch bei den Metall-Kunstwerken die handwerkliche Fertigung im Vordergrund. Walter Gstettenhofer erklärt seinen Arbeitsprozess: „Ich habe also begonnen Metallskulpturen zu machen, wobei die Eigenheit darin liegt, dass ich im Prinzip nichts schweiße, nichts schmiede und auch nicht mit Wärmeverfahren arbeite, sondern all meine Skulpturen werden im kalten Zustand verbogen, teilweise mit meterlangen, ganz dicken Eisenstangen, und dann geschliffen. Meine Hauptwerkzeuge sind also sozusagen eine Flex und ein Schraubstock.“

Mit seinen Metallskulpturen und Mixed-Media-Bildern ist Walter Gstettenhofer nun dabei, sich ein zweites Standbein als Künstler aufzubauen.
Gstettenhofer

Neben den Skulpturen fertigt Gstettenhofer auch Bilder an, die ebenfalls unter der Bezeichnung „Metal-Art“ laufen, allerdings verschiedene Materialien und Handwerkstechniken verbinden: „Die Erstellung meiner Bilder gliedert sich grob in drei Abschnitte. Das ist zum einen die Holzarbeit, weil da zum Teil recht aufwendige Bilderrahmen von mir selbst angefertigt werden, da wären wir also bei der Tischlerei. Ein Teil ist die Metallarbeit, die sich eigentlich immer in diesen Bildern findet – und die dritte Sache, die das Ganze dann rund macht, ist, dass ich mit Epoxidharz arbeite und die Metallteile dann zum Beispiel in Harz eingeschlossen werden. Da gibt es mittlerweile schon einige verschiedene Stile, die ich ausprobiert habe. In diese Arbeiten fließt natürlich auch immer ein, was mich gerade so bewegt.“

Ein roter Faden in den Arbeiten von Walter Gstettenhofer ist jedenfalls auch der Wunsch, verschiedene Materialien und Techniken zu verbinden, wodurch der Eindruck eines ganzheitlichen Kunst- und Handwerksbegriffs vermittelt wird, der dann auch zu höchst individuellen, nicht reproduzierbaren Einzelstücken führt. Innovationsfreudigkeit, Individualität und ein hoher Qualitätsanspruch sind wiederum auch Eigenschaften, die handwerklich gefertigten Einzelstücken einen Vorteil gegenüber industrieller Massenfertigung verschaffen können.

„Als ich mich 1993 selbstständig gemacht habe, war es für mich ein Thema, dass mir klar war, dass das Buchbinderhandwerk irgendwann aussterben wird, beziehungsweise nur diejenigen überbleiben werden, die am besten und am breitesten aufgestellt sind“, erzählt Gstettenhofer. „Deshalb war es meine Denkweise, möglichst viele Sachen in dieses Handwerk mit einzubeziehen. Zum Beispiel habe ich vor 20 Jahren Bücher mit lasergeschnittenen Metallplatten, die in Ledereinbänden eingearbeitet wurden, gemacht. Es ging mir darum, die Qualität des alten Handwerks aufrechtzuerhalten, aber das vom Design her mit den Möglichkeiten zu kombinieren, die man jetzt hat.“

Ein ganzheitlicher Kunst- und Handwerksbegriff ist für den Böhlerwerker Buchbindermeister Walter Gstettenhofer zentral. Als Ergänzung zur Buchbindekunst widmet er sich nun auch der Metallkunst.
Gstettenhofer

So handelt es sich bei Walter Gstettenhofers Buchbindearbeiten auch um Einzelanfertigungen, deren Einsatzbereich von individuell gefertigten Speisekarten für Restaurants bis hin zu großen Büchern mit eigens dafür angefertigten Pulten, die schon mehr als Einrichtungsgegenstände funktionieren, reicht.

Auftraggeber sind große Firmen, aber auch Einzelpersonen. Die Metallskulpturen und Bilder begannen ursprünglich als künstlerischer Ausgleich zu den Buchbindearbeiten, sind mittlerweile aber dabei, sich zu einem zweiten Standbein zu entwickeln.

Eine Herzensangelegenheit war für Gstettenhofer zuletzt auch die Einrichtung seines Ateliers im Böhlerzentrum, die er komplett selbst in die Hand nahm. Einen Eindruck über seine Buchbindearbeiten kann man sich auf www.art-booking.at verschaffen. Eine Übersicht über seine Metallkunst gibt es auf der Facebook-Seite „METAL – ART Walter Gstettenhofer“.