Poesie trifft Volksmusik in Waidhofen/Ybbs. Die Waidhofner Dichterin Claudia Fletzberger verfasst Texte für Songs, die von bis zu zehntausenden Fans der deutschsprachigen Schlager- und Volksmusik gehört wurden.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 11. April 2021 (04:54)

Claudia Fletzberger berichtete in einem Leserbrief an die NÖN, wie eine Begegnung mit dem Sonntagberger Mundartdichter Walter Holzreiter die dichterischen Ambitionen der damals Zehnjährigen erwachen ließ. Mittlerweile schreibt die gebürtige Waidhofnerin nicht nur Gedichte, sondern ist auch als Texterin für Volksmusik und Schlager tätig. Die NÖN unterhielt sich mit ihr über ihren Werdegang, ihre bisherigen Erfolge als Texterin und ihre Wünsche für die Zukunft.

Angefeuert von der Ermunterung durch Walter Holzreiter, begann Claudia Fletzberger unermüdlich zu schreiben und verfasste bald Gedichte für die Schülerzeitung sowie unzählige Auftragsarbeiten anlässlich von Geburtstagen, Hochzeiten, Taufen und anderen Gelegenheiten.

„Da hört man seinen eigenen Titel vor Zehntausenden Leuten, das sorgt schon für Gänsehaut.“ Texterin Claudia Fletzberger

Neben dem Dichten ist insbesondere deutschsprachige Volksmusik immer schon eine große Leidenschaft von Fletzberger. Nach einer vereinzelten Zusammenarbeit mit der Gruppe „Die Edelhofer“ Ende der 2000er-Jahre kam es zu einer Pause – etwa zehn Jahre später begann sie jedoch nach Leuten zu suchen, die Musik zu ihren Texten beisteuern könnten.

„Ich habe viele Komponisten angeschrieben, meistens hieß es allerdings: schöne Texte, aber keine Zeit. Mittlerweile habe ich aber ein paar Leute, mit denen ich regelmäßig zusammenarbeite. Hauptsächlich sind das Hannes Marold aus Graz oder Helmut Hirner aus Hausmening und David Ritt, der schon einmal Chef der Bachler Buam war und jetzt ein Tonstudio in der Nähe von Steyr betreibt. Ich habe aber auch schon mit Marco Diana aus Südtirol und Peter Stowasser aus Bayern gearbeitet.“

2016 schrieb Fletzberger Texte für das Album „Das Glück hat deine Augen“ des Südtiroler-Duos Vincent und Fernando, das damit mehrmals beim Grand Prix der Volksmusik auftrat. Seither hat sich die Arbeit als Texterin für sie noch intensiviert. Zu den Highlights ihrer Karriere zählt sie unter anderem die Gelegenheiten, zu denen ihre Texte im Fernsehen vorgetragen wurden, zum Beispiel bei „Immer wieder Sonntag“ mit Stefan Mross, oder auch den Auftritt des Duos Bergkristall beim Thermen-Open-Air in Bad Füssing.

„Da hört man seinen eigenen Titel vor Zehntausenden Leuten, das sorgt schon für Gänsehaut“, erinnert sie sich. Auch die Zusammenarbeit mit der Sängerin Misha Kovar und der Formation Bergfeuer bereiteten ihr besondere Freude.

Die Ideen für ihre Texte kommen oft ganz spontan und in allen Lebenslagen: „Wenn ich mich vor ein leeres Blatt Papier sitze, passiert gar nichts. Ich bin an der Handelsakademie Waidhofen im Reinigungsdienst beschäftigt und habe meinen Stichwortzettel immer dabei. Wenn ich unterwegs bin, gerade beim Gehen, fällt mir oft eine Zeile ein und die muss dann festgehalten werden, entweder auf einem Diktafon oder eben schriftlich. Das wird dann daheim am Schreibtisch ausgearbeitet.“

Bevor die fertigen Texte am Computer niedergeschrieben werden, arbeitet sie hauptsächlich handschriftlich auf Papier, da für sie so ein direkterer Ausdruck möglich ist.

Auf ihre Wünsche, Träume und Pläne für die Zukunft angesprochen, meint Claudia Fletzberger: „Ich würde mir wünschen, mehr auf Radio Niederösterreich gespielt zu werden. Es wäre wünschenswert, dass Radiosender etwas mehr Rücksicht auf heimische Künstler, die noch nicht so bekannt sind, nehmen würden, denn die haben im Moment leider überhaupt keine Plattform. Es gibt viele gute Künstler bei uns, die kaum jemand kennt. Ein Kindheitstraum von mir ist auch, einmal einen Titel für die Kastelruther Spatzen zu schreiben.“