Corona-Infizierte (37): „Nehmt dieses Virus ernst“. Vor etwa drei Wochen wurde bei Claudia Bischof (37) Corona diagnostiziert. Ein langer Leidensweg folgte.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 26. November 2020 (06:30)
Die Waidhofnerin Claudia Bischof (37) im Landesklinikum St. Pölten. Knapp zwei Wochen lang war sie dort komplett isoliert und mit starken Schmerzen in einem Krankenhauszimmer. Mittlerweile durfte sie aber bereits wieder nach Hause.
Bischof

Knapp vier Wochen ist es jetzt her, dass die Waidhofnerin Claudia Bischof (37) ein Kratzen im Hals und in der Lunge bemerkte, mehr als zwei Wochen lang befand sie sich komplett isoliert im Landesklinikum in St. Pölten. „Als meine Symptome erstmals auftraten, dachte ich überhaupt nicht an Corona“, erzählt Bischof. Bald gesellte sich auch Husten zum Kratzen im Hals und der Allgemeinzustand der 37-Jährigen verschlechterte sich innerhalb kürzester Zeit zunehmend. „Mein ganzer Körper schmerzte auf eine Art und Weise, die ich bislang noch nicht kannte“, erzählt sie. „Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten und meine Augen wollten sich nicht mehr öffnen lassen. Der Husten war so schmerzhaft, dass ich dachte, mein ganzer Rücken wäre eine offene Wunde.“

Da Bischof jedoch in der 27. Schwangerschaftswoche war, konnte sie keine schmerzstillenden Medikamente nehmen. Als sie sich schließlich am 1. November zu einem Arzt schleppte, wurde sie sofort einem Corona-Vortest unterzogen – der positiv ausfiel. Bald drauf trudelte dann schließlich die endgültige Gewissheit ein: Auch der PCR-Test bescheinigte Bischof, am Coronavirus erkrankt zu sein.

„Ich dachte, ich zerberste innerlich“

„Meine Entzündungswerte im Blut waren sehr hoch, weshalb ich vom Arzt Antibiotika bekam“, sagt die Waidhofnerin. Doch auch diese schafften es nicht, ihren Gesundheitszustand zu verbessern, weswegen gleich am kommenden Tag das Krankenhaus verständigt wurde. Dort wurden umfangreiche gynäkologische Tests gemacht. „Gott sei Dank ging es dem Baby gut, auch wenn meine körperlichen Werte im Keller waren“, erzählt Bischof.

Aber auch im Krankenhaus verbesserte sich der Gesundheitszustand der Waidhofner Hochzeitsplanerin nicht. „Bei jedem Mal husten dachte ich, ich zerberste innerlich“, erzählt Bischof. „Als dann bei weiteren gynäkologischen Tests herauskam, dass die Entzündung in meinem Körper wahrscheinlich die Fruchtblase zum Platzen bringen wird und bereits Fruchtwasser ausgetreten sei, wurde ich sofort in die Uniklinik St. Pölten verlegt, die auf Frühgeburten spezialisiert ist.“

 "Mein ganzer Körper schmerzte auf eine Art und Weise, die ich bislang noch nicht kannte.“ Claudia Bischof über ihre Corona-Symptome

 Der Schock war natürlich groß, war der Geburtstermin von Bischofs zweitem Kind doch erst für Februar anberaumt. „Ich hörte, wie mich eine Ärztin fragte, ob ich schon einen Namen für das Baby habe“, erzählt Bischof. „Ich verneinte und machte meine Augen zu, in der Hoffnung, dass das alles vorbei ist, wenn ich sie wieder aufmache.“

Doch Mutter und Baby hatten Glück im Unglück: Eine Frühgeburt konnte verhindert werden und das Baby darf auch noch die kommenden zweieinhalb Monate im Bauch seiner Mama bleiben. „Gott sei Dank hat sich hier alles zum Guten gewendet“, sagt Bischof. „Mir haben aber viele schwangere Frauen geschrieben, dass sie sehr unsicher seien, weil sie oft nicht wissen, wie sich Corona auf die Schwangerschaft auswirken kann. Viele Gynäkologen sagen, dass das Virus für Schwangere ungefährlich ist – was ich so nicht unterschreiben würde. Bei mir waren die Ärzte ganz erstaunt, dass es mich so schwer erwischt hat. Diese Unsicherheit macht vielen Frauen natürlich Angst.“

Doch auch wenn bei Bischof eine Frühgeburt abgewendet werden konnte, war der Leidensweg der 37-Jährigen noch nicht vorbei. „Ich musste alle zwei bis drei Tage einen Coronatest machen und es wurden unzählige gynäkologische Untersuchungen und Blutabnahmen vorgenommen. Die Schmerzen hielten nach wie vor an. Ich war völlig isoliert in einem Krankenhauszimmer, während das Virus hartnäckig Achterbahn in meinem Körper fuhr“, erzählt Bischof.

Am vorvergangenen Freitag kam dann zu den Schmerzen der Corona-Infektion noch eine sehr schmerzhafte Lungenfellentzündung hinzu.

Nach zwei Wochen aus Klinikum entlassen

Doch mittlerweile befindet sich die Waidhofnerin glücklicherweise auf dem Weg der Besserung. Am vorvergangenen Montag durfte sie das Krankenhaus sogar wieder verlassen. „Ich bin sehr froh, endlich wieder zuhause zu sein, auch wenn ich noch nicht zu 100 Prozent gesund bin. Meine Lunge spüre ich immer noch und außerdem bin ich schnell außer Atem“, sagt sie. „Die Ärzte und Schwestern waren aber alle toll und haben mich super versorgt – auch wenn ich meistens nur ihre Augen gesehen habe.“

 „Ich war völlig isoliert im Krankenhauszimmer, während das Virus hartnäckig Achterbahn in meinem Körper fuhr.“ Claudia Bischof über ihre Zeit im Landesklinikum St. Pölten

 Ansteckend ist Bischof nun nicht mehr. Als Maß, um dies zu messen, wird der sogenannte CT-Wert (kurz für Cycle-threshold-Wert) herangezogen. Je niedriger dieser ist, desto höher ist die Virenlast und desto ansteckender ist die positiv getestete Person – ab einem CT-Wert von 30 bis 35 gilt man als nicht mehr ansteckend. Bischof hatte lange Zeit einen Wert von 18, das heißt, sie war stark infektiös. Als sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hatte sie einen CT-Wert von 44.

„Das Wichtigste ist, dass es dem Baby gut geht“

„Natürlich sind zuhause die Wege wieder weiter als im Krankenzimmer, was sehr anstrengend ist. Ich schnaufe noch wie eine Dampflok und auch die leichte Lungenfellentzündung darf ich noch mein Eigen nennen“, sagt Bischof. „Aber das Allerwichtigste ist, dass es dem Baby gut geht und wir beide wieder zuhause sein können.“

Sie appelliert an alle, Corona ernst zu nehmen und sich selbst zu schützen: „Auch ich habe das Virus vor einem Monat noch belächelt und nie gedacht, dass dieses mich einmal so hart treffen würde“, sagt sie. „Ich lese leider immer noch so viele Postings im Internet, in denen behauptet wird, dass das Ganze ja gar nicht so schlimm sei und warum so ein Hype um eine Grippe gemacht werde. Von mir kann ich aber sagen, dass ich noch nie so schwer krank gewesen bin – und das, obwohl ich erst 37 bin und keine Vorerkrankungen gehabt habe. Deshalb: Nehmt dieses Virus ernst und schützt euch, denn keiner weiß, wie der eigene Körper auf Corona reagiert!“