Vortrag: „Klimaschutz beginnt im Kopf“. Die bekannte österreichische Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb referierte am Freitagabend in Waidhofen und rief vor ausverkauftem Kristallsaal zum Handeln auf.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 11. März 2020 (04:44)

Steigende Temperaturen, Ernteausfälle, Extremwetterereignisse, Borkenkäferplage – der Klimawandel und seine Konsequenzen sind mittlerweile Tag für Tag spürbar. Dementsprechend groß war auch der Andrang im Waidhofner Kristallsaal am Freitag, wo die bekannte österreichische Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb einen Vortrag hielt.

„Wir haben mittlerweile sehr viel erreicht in Sachen Klimaschutz, aber es reicht bei Weitem noch nicht“, sagte die Vortragende. Als wesentliches Ziel nannte Kromp-Kolb – entsprechend den Zielen des Pariser Klimaabkommens – die Stabilisierung des Temperaturanstiegs auf maximal 1,5 Grad Celsius. „Eine Zukunft mit Temperaturanstieg von 1,5 Grad ist bedauerlicherweise auch alles andere als rosig. Es werden Städte unbewohnbar werden, Dürreperioden kommen, die Hitzetage und Tropennächte steigen. Aber der riesengroße Vorteil ist, dass wir die Temperatur dann stabilisiert haben und uns darauf einstellen können“, sagte die Forscherin.

 „Viele gehen davon aus, dass Klimaschutz kostet. Tatsächlich ist es aber so, dass es viel mehr kostet, nichts gegen den Klimawandel zu tun.“ Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb

 Um die Klimakatastrophe noch zu stoppen, sieht Kromp-Kolb genau eine Möglichkeit: „Wir müssen rasch handeln, und zwar innerhalb der nächsten zehn Jahre“, sagte sie. „Entweder wir setzen alles daran, den Temperaturanstieg zu stabilisieren, oder eben nicht. Wenn aber dann junge Leute auf der Straße stehen und sagen, dass wir ihnen die Zukunft stehlen, dann haben sie recht.“

„Reduktion dort, wo Emissionen entstehen“

Um die Kehrtwende noch zu schaffen, kann man laut Kromp-Kolb an drei Punkten ansetzen: Man kann sich an die Klimaänderung anpassen – „das hat aber Grenzen“ – oder sich auf „große Technologien“ und Geo-Engineering verlassen. Bei Letzterem sei das „wesentliche Problem, dass man auf Dinge vertraut, die noch nicht erfunden wurden – und da läuft uns die Zeit davon“.

Einziger effektiver Weg ist laut Kromp-Kolb daher die effektive Reduktion der Treibhausgasemissionen. „Wir können die Treibhausgase aber nur dort reduzieren, wo sie entstehen – und zwar bei uns selbst“, sagte die Vortragende. Dazu brauche es „einerseits ein Bewusstsein für das Problem, andererseits aber auch Rahmenbedingungen, die uns einen nachhaltigen Lebensstil ermöglichen“. Wichtig sei dabei, dass den Klimaschutz alle Ebenen mittragen – „Regeln, bei denen die Bevölkerung nicht mitgeht, bringen nichts“ –, aber auch, dass man nicht nur einzelne Probleme angeht, sondern „in größeren Zusammenhängen denkt“.

„Viele gehen davon aus, dass Klimaschutz kostet, und dass wir uns das nicht leisten können. Tatsächlich ist es aber so, dass es viel mehr kostet, nichts gegen den Klimawandel zu tun“, so Kromp-Kolb. „Klimaschutz beginnt im Kopf jedes Einzelnen – und zwar jetzt und hier.“