Sicherheit für Radfahrer: „Hoffe auf Mut der Politiker“. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegenetz in NÖ entbrannt.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 14. August 2019 (05:42)
Lisa Hofbauer
Eine sehr riskante Stelle für Radfahrer ist bei der Kreuzung Ybbstorgasse–Oberer Stadtplatz. Hier dürfen die Radfahrer gegen die Einbahn fahren. Parken viele Autos vor der Firma Schachinger, sieht man als Radfahrer kaum auf den Stadtplatz, sagt Gunnar Scholz.  Foto: Lisa Hofbauer

Dass es mit Kindern im Straßenverkehr als Radfahrerin häufig zu brenzligen Situationen kommen kann, davon kann Martina Schauer aus Böhlerwerk ein Liedchen singen. Sie radelt häufig mit ihren zwei Kindern (zwei und vier Jahre alt) von ihrem Wohnort Böhlerwerk nach Waidhofen. „Autofahrer überholen uns schon oft sehr riskant – vor allem an Stellen, wo sie andere Autos normalerweise nicht überholen würden“, sagt Schauer. „Da kann einem oft ganz anders werden.“

Eines ihrer Kinder sitzt in einem Radanhänger, das zweite fährt bereits selbst mit dem Rad. „Ich will meinen Kindern zeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, von A nach B zu kommen, als mit dem Auto“, sagt Schauer. Für sie wäre es dringend notwendig, mehr Radwege zu errichten. „Ich hoffe da auf den Mut der Politiker, künftig bei allen infrastrukturellen Entscheidungen den Radverkehr mitzudenken“, sagt sie.

„In den letzten Jahren hat sich einiges getan“

Auch Gunnar Scholz, Obmann-Stellvertreter der Radlobby NÖ und Mitglied der Radlobby-Gruppe Waidhofen, meint, dass Radfahrern oft noch zu wenig Platz im Straßenverkehr eingeräumt wird. „Infrastrukturelle Maßnahmen werden meistens nach wie vor vom Auto aus geplant und umgesetzt. Das ist irgendwie in den Köpfen so drinnen“, sagt Scholz. Dennoch hat sich im Hinblick auf das Radfahren in den letzten Jahren schon einiges getan, sagt Scholz. „Es bleibt aber auch noch viel zu tun.“

Daher hat die Radlobby Waidhofen einen Forderungskatalog erstellt, der auch beim Magistrat Waidhofen vorliegt. „Die Sicherheit der Radfahrer steht dabei klarerweise im Mittelpunkt“, erklärt Scholz. Einige Forderungen, die darin enthalten sind, sind etwa Abstellplätze für Räder, Radweganbindungen Richtung Oberland, Böhlerwerk und in die Redtenbachsiedlung oder auch eine Öffnung des Ybbstalradwegs.

„Wir wollen, dass der Ybbstalradweg nicht nur für den Tourismus, sondern das ganze Jahr über benutzbar ist. Derzeit müssen Radler im Winter auf der Straße fahren“, sagt Scholz. Eine ganzjährige Öffnung des Radweges würde für die Radfahrer mehr Sicherheit bedeuten. Unvorsichtige Fahrer gibt es laut Scholz sowohl bei den Rad-, als auch bei den Autofahrern. „Wobei der Autofahrer natürlich einen großen Vorteil hat: Er kann sich hinter der Windschutzscheibe verstecken“, sagt er.

Für Waidhofens Verkehrsstadtrat Erich Leonhartsberger (SPÖ & Unabhängige) hat die Sicherheit der Radfahrer im Straßenverkehr ganz klar Priorität. „Bei einer Kollision zwischen Pkw und Rad zieht stets der Radfahrer den Kürzeren. Der stärkere Verkehrsteilnehmer muss auf den schwächeren Rücksicht nehmen“, sagt der Stadtrat. Der Rad- und Fußverkehr werde auch in Waidhofen in den letzten Jahren immer mehr. „Das ist eine gute Entwicklung“, sagt Leonhartsberger. „Für mich ist ganz klar, dass der Rad- gegenüber dem Pkw-Verkehr den Vorzug hat: Radfahren ist eine Form der sanften Mobilität, macht keinen Lärm und stößt kein CO aus.“

Um der Zunahme des Radverkehrs Rechnung zu tragen, sei es laut Leonhartsberger wichtig, Fahrstreifen für Radler oder Radwege zu bauen. „Es muss aber auch klar sein, dass so ein Radweg nicht von heute auf morgen entsteht.“ Mehrere Radwegabschnitte sind in Waidhofen derzeit im Entstehen bzw. in Planung. Momentan wird etwa gerade ein Teilstück des Radweges zur Bachwirtsiedlung gebaut. „Damit wird eine sichere Anbindung an die Bushaltestelle und damit an das öffentliche Verkehrsnetz der Stadt und weiter in die Innenstadt geschaffen“, sagt Bürgermeister Werner Krammer (WVP). „Die Nachbargemeinden Gaflenz, Ybbsitz und Böhlerwerk sollen in den kommenden fünf Jahren mit einem Radweg bis ins Stadtzentrum erschlossen werden. Hier laufen derzeit Detailplanungen“, sagt Krammer. Der Vorfall in Korneuburg zeige laut ihm die Wichtigkeit echter Radwege. „Die Verkürzung der Citybahn ermöglicht uns, diese zu schaffen. Dann müssen Radfahrer nicht mehr mit dem Pkw-Verkehr auf der Zell mitfahren.“

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