Konkurrenzkampf: Apotheker oder doch Hausarzt?. Nehmen Hausapotheken öffentlichen Apotheken das Geschäft weg? Betroffene beschreiben ihre Sicht der Dinge.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 04. September 2019 (05:15)
Markus Füxl
Helene Aichinger von der Zwettler Kuenringer Apotheke führt die flächendeckende Versorgung sowie die größereBevorratung als Stärken der Apotheken an.

Wenn der Austausch zwischen Ärzten und Apotheken funktioniert, dann profitiert der Patient. Oft stehen die beiden aber in Konkurrenz zueinander. Der Grund: an die Arztordination angeschlossene Hausapotheken. Welche Vorteile bringt sie mit? Was kann nur eine öffentliche Apotheke bieten?

„Die Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern hat eine jahrhundertelange Geschichte“, sagt Helene Aichinger, Leiterin der Kuenringer Apotheke in Zwettl. Der Austausch mit Medizinern funktioniere in ihrer Apotheke gut, zu Hausapotheken meint sie: „Die Frage ist, ob dem hausapothekenführenden Arzt durch die beratungsintensive Medikamentenabgabe genug Zeit für seine eigentliche ärztliche Tätigkeit bleibt.“

Große Stärke der Apotheken sei das flächendeckende Angebot mit Versorgung rund um die Uhr. Gewöhnlich sind sie auch samstags geöffnet, die Versorgung an Sonn- und Feiertagen ist über den Bereitschaftsdienst geregelt und Betriebsurlaube gibt es keine. Und: „Die Bevorratung in der Apotheke ist etwa zehn bis zwanzig Mal größer als in Hausapotheken. Auch in Krisenzeiten ist die Versorgung somit gesichert“, sagt Aichinger.

"Hausapotheken sind großer Anreiz"

Bezirksärztevertreter Karl Danzinger sieht in den Hausapotheken großes Potenzial für Landarzt-Stellen: „Sie sind ein wirklich großer Anreiz. Dadurch sind auch kleine Ordinationen besetzbar. Es gibt heutzutage keinen wirklichen Grund mehr, warum es öffentliche Apotheken geben soll“ bewertet Danzinger die Situation.

Hauptgrund für diese Einschätzung ist das Service für den Patienten – besonders, wenn dieser nur eingeschränkt mobil ist. Mit einer Hausapotheke könnten Mediziner Diagnose, Behandlung und Medikament unter einem Dach anbieten. An ein Aussterben der Apotheken glaubt Karl Danzinger aber trotzdem nicht. Hausapotheken sieht er jedenfalls als eine Lösungsmöglichkeit, Landarztstellen zu attraktivieren.

Für ihre Kunden sei die Apotheke eine wesentliche Anlaufstelle, wie Gudrun Schallauer von der Apotheke zum schwarzen Adler in Zwettl erklärt: „Die Hemmschwelle zum Gang in die Apotheke ist nicht so hoch wie jene, einen Arzt aufzusuchen.“ Der Apotheker nehme sich außerdem mehr Zeit, die Wirkung von Medikamenten zu erklären.

Vier-Augen-Prinzip als wichtige Kontrolle

Umgeben von Hausapotheken ist die Schlossapotheke in Ottenschlag. „Unsere Stärke ist sicher, dass wir sechs Tage in der Woche geöffnet haben“, sagt Maria Winkler. Wenn Ärzte im umliegenden Sprengel im Urlaub sind, werde die Apotheke zum wichtigen Ansprechpartner. Einen Arztbesuch ersetzt sie freilich nicht.

Winkler fügt hinzu: „Die Zusammenarbeit mit den Ärzten könnte wirklich gut funktionieren“ und verweist auf das sogenannte Vier-Augen-Prinzip. Die Medikamentenverschreibung nimmt der Arzneiverordner vor, die Ausgabe der Arzneizubereiter. Für Ärzte hat sie jedoch Verständnis. Die Hausapotheke sei schließlich ein Zusatzeinkommen, das Problem liege in der Abgeltung der Behandlungsleistung.

Dem kann Harald Sulzberger, praktischer Arzt in Rappottenstein, beipflichten. Probleme bei der Besetzung von Kassenstellen sieht er in veralteten Kassentarifen, nicht bei Hausapotheken. Er führt eine Hausapotheke, es sei sicherlich ein Zusatzeinkommen für kleine Landarztpraxen, meint Sulzberger, aber: „Es ergibt sich daraus auch ein deutlich erhöhter zeitlicher, personeller und bürokratischer Aufwand.“

Einen Konkurrenzkampf zwischen öffentlichen Apotheken und Hausapotheken sieht er nicht: „Wenn ich ein neues Medikament verschreibe, hole ich es direkt aus der Hausapotheke und erkläre es vor dem Patienten. Außerdem lasse ich im Rahmen von Visiten bei akut erkrankten Patienten die dringend benötigten Medikamente gleich vor Ort.“

Im Vordergrund solle jedenfalls die bestmögliche Versorgung mit Medikamenten stehen: „Jedem niedergelassenen Allgemeinmediziner soll die Führung einer Hausapotheke ermöglicht werden. Dafür soll sich überall eine Apotheke niederlassen dürfen.“

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