Bezirk Zwettl: „Die dritte Kurzarbeitsphase läuft“. Die Arbeiterkammer ist mit vielen Anfragen konfrontiert. Am Arbeitsmarkt ist man derzeit noch positiv.

Von Karin Pollak. Erstellt am 25. November 2020 (05:07)
AMS-Leiter Kurt Steinbauer (links): „AMS-Kurse gibt es auch während dem Lockdown.“ AK-Bezirksstellenleiter Jürgen Binder: „Disziplin ist großartig.“
René Denk (Steinbauer) bzw. Archiv

Arbeiterkammer und Arbeitsmarktservice spüren bereits die Auswirkungen des zweiten Lockdowns. Viele Unternehmer schicken ihre Mitarbeiter in die Kurzarbeit und es werden immer mehr.

AMS-Leiter Kurt Steinbauer: „AMS-Kurse gibt es auch während dem Lockdown.“
René Denk

„Die dritte Kurzarbeitsphase läuft. Viele Unternehmer, die ihre Betriebe komplett schließen mussten, wollen ihre kompetenten Mitarbeiter ja weiter behalten und kündigen sie deshalb nicht. Außerdem besteht ja laut der Regierung die Möglichkeit, die Arbeitsstunden dabei auf Null zu setzen. Richtlinien dazu gibt es aber noch nicht“, meint der Zwettler AMS-Leiter Kurt Steinbauer. Vor allem vom geschlossenen Handel und den Reisebüros kämen viele Anträge.

„Unternehmer, die ihre Betriebe komplett schließen mussten, wollen ihre kompetenten Mitarbeiter ja weiter behalten und kündigen sie nicht. AMS-Leiter Kurt Steinbauer

Für die „kurzarbeitenden Mitarbeiter“ werden die Löhne und Gehälter gefördert. Bei diesen Unterstützungen sind das Urlaubs- und Weihnachtsgeld bereits eingerechnet. Eine Extra-Refundierung gibt es, so der AMS-Leiter, also nicht. In Ausarbeitung sei derzeit noch eine Regelung für die Trinkgeld-Pauschale.

„Bei den Handwerksbetrieben ist die Situation aber gut. Die Auftragsbücher sind voll, auch schon für das nächste Frühjahr“, meint Steinbauer. Wann die saisonalbedingten Kündigungen eintreffen werden, könne derzeit noch nicht gesagt werden. „In der Bauwirtschaft und im Baunebengewerbe wird man nicht auf Kurzarbeit umstellen, denn da gibt es ja eine Behaltepflicht.“

Umschulungs- und Weiterbildungskurse gebe es auch während des Lockdowns über das AMS, wobei vermehrt auf Distance-Learning im Internet umgestellt wird. „Wo das nicht möglich ist, wie etwa bei Schweißkursen, werden natürlich alle Sicherheitsvorgaben eingehalten“, erklärt Steinbauer.

Die Nachfrage an diesen Kursen halte sich aber in Grenzen. Das könnte sich im Frühjahr ändern. „Dann gibt es Kursangebote im Rahmen der Corona-Arbeitsstiftung, für die Niederösterreich 100 Mio. Euro von den 700 Mio. Euro in Österreich erhalten wird.“

Die Telefonleitungen glühen wieder

Bei der Arbeiterkammer Zwettl laufen derzeit die Telefone heiß, die E-Mail-Anfragen steigen enorm, davon berichtet AK-Bezirksstellenleiter Jürgen Binder. Termine direkt in der Bezirksstelle gebe es, aber nur nach telefonischer Vereinbarung: „Die Disziplin ist großartig, alle halten sich an die Vorgaben“, betont Jürgen Binder.

AK-Bezirksstellenleiter Jürgen Binder: „Disziplin ist großartig.“
Archiv

Vorrangig drehen sich die Anfragen um die Kurzarbeit und die Kinderbetreuung. „Speziell bei der Kinderbetreuung gibt es viele Herausforderungen, die die Arbeitnehmer jetzt zu bewältigen haben. Diese haben bereits im ersten Lockdown ihre Urlaube verbraucht und wollen jetzt die Sonderbetreuung, die die Regierung geschaffen hat, in Anspruch nehmen. Aber die Arbeitgeber verweisen auf die offenen Schulen und Kindergärten. Das ist für viele eine unglückliche Situation“, zeigt Binder auf.

Gemeinsam suche man Lösungen, die im Waldviertel auch meist gefunden werden. „Anders als in den übrigen Landesteilen gibt es bei uns Einsicht sowohl bei den Arbeitgebern als auch bei den Arbeitnehmern.“

In Firmen, bei denen ein Betriebsrat installiert ist, sei das noch einfacher. „Aber ich bin guter Dinge, dass ab 7. Dezember auch hier wieder etwas Normalität einkehrt“, schaut der AK-Bezirksstellenleiter positiv in die Zukunft.

Das gelte auch für die Kurzarbeit und die dabei spürbare Unsicherheit. Viele Arbeitnehmer, die von den Arbeitgebern bis März 2021 zur Kurzarbeit angemeldet sind, fragen jetzt nach, ob das verbindlich gelten würde. „Die Kurzarbeit kann man aber jederzeit wieder beenden“, zeigt Binder auf, der auf die Selbstdisziplin aller hofft. „Das ist nämlich wichtiger als Hunderte Verordnungen.“

Und er weiß, wovon er spricht, gab es vor Kurzem in seiner Familie bereits einige Corona-Erkrankungen. „Ich habe mich in Selbstquarantäne begeben und mich testen lassen. Dieser Test war zum Glück negativ“, erzählt er. „Ich habe in dieser Zeit meine Kontakte auf Null gestellt. Ich will ja niemanden anstecken!“