Denkmal für vergessene Wehren errichtet. Zum Gedenken an Ausgesiedelte des Truppenübungs-Platzes Döllersheim wurde Mahnmal errichtet.

Von René Denk. Erstellt am 11. September 2019 (04:42)

Der Abschluss einer Idee, die vor vier Jahren entstand, wurde am 8. September in Göpfritz beim Feuerwehrhaus gefeiert: Zum Gedenken an die 16 vergessenen Feuerwehren, die zwischen 1938 und 1941 vom Truppenübungsplatz Döllersheim ausgesiedelt wurden (42 Ortschaften wurden ausgesiedelt), wurde am „Platz der vergessenen Feuerwehren“ ein neues Denkmal von Künstlerin Maruša Sagadin gesetzt.

„Treppe-Bühne-Tribüne. Der liegende Abdruck“ heißt das horizontale Kunstwerk aus orange und rot gefärbtem Beton, das auch dem Namen nach benutzt werden kann. „Zukunft braucht Herkunft. Wo ich heute stehe, kann ich nur verstehen, wenn ich weiß, wo ich herkomme. Ich gratuliere zum Denkmal und zu dem Mut, hier ein Zeichen zu setzen“, betone Dechant Andreas Brandtner, der die Heilige Festmesse und Segnung zele-brierte.

„Wo ich heute stehe, kann ich nur verstehen, wenn ich weiß, wo ich herkomme.“Dechant Andreas Brandtner

Die bemerkenswerte Fahnenkulisse aus den Bezirken Zwettl und Horn bemerkte auch Kulturtheoretikerin Christina Nägele, die das „horizontale Mahnmal“ als „niederschwellig“ bezeichnet. Es sei kein Monument, sondern die Auseinandersetzung mit Geschichte, die für die Zukunft wichtig sei.
Weit über 7.000 Menschen wurden vom Döllersheimer Ländchen damals ausgesiedelt. Gerhard Schneider von der Feuerwehr Göpfritz nahm das Projekt der vergessenen Feuerwehren vor vier Jahren mit seinem Sohn Patrick Schneider in Angriff. Gerhard Schneiders Vater wurde mit acht Jahren aus Äpfelgschwendt am 1. April 1939 ausgesiedelt. Äpfelgschwendt ist seither unbewohnt und bis heute eine Katastralgemeinde von Göpfritz.

Patrick Schneider stellte das Projekt vor, dass Vater und Sohn über 600 Stunden beschäftigte. Ursprünglich war geplant, eine Ausstellung mit alten Geräten und Ausrüstungen der vergessenen Feuerwehren zu gestalten. Das ging aber leider nicht, da die beiden feststellen mussten, dass es kaum noch Exponate dazu gibt. Die Idee zum Denkmal kam von Elisabeth Schöffl-Pöll aus dem Bezirk Hollabrunn, deren Vorfahren ebenso von der Aussiedlung betroffen waren.

Bürgermeisterin Silvia Riedl-Weixlbraun freute sich über den Gemeinderatsbeschluss, den Platz als „Platz der vergessenen Feuerwehren“ zu benennen und dankte vor allem Vizebürgermeister Werner Scheidl, der das Projekt für die Gemeinde abwickelte. Dabei betonte sie auch, dass die Arbeiten in letzter Sekunde fertig wurden: „Werner hat mich da beruhigt und meinte: Egal, ob der Platz gepflastert ist oder nicht, am Montag wird sich die Welt trotzdem weiterdrehen!“

Die Arbeiten am Platz wurden von den Bauhofmitarbeitern der Gemeinde in rund 400 Stunden durchgeführt. Die gesamten Nebenanlagen, die Versetzung eines Hydranten, Einfriedung und Fundament sowie neue Fahnenmasten und die neue Pflasterung wurde dabei gemacht, die die Marktgemeinde rund 15.000 Euro kostete. Das Land übernahm das Kunstwerk inklusive aller dafür entstandenen Kosten in Höhe von 56.000 Euro. Abschnittskommandant Siegfried Ganser dankte Gerhard und Patrick Schneider dafür, dass sie dieses Projekt „augrissen haum“. Ganser betonte, dass er es von Beginn an unterstützt hätte, aber die Arbeit von den beiden kommen musste, was auch geschah.

Arbeiten wurden in letzter Sekunde fertig

Zum Kunstwerk wurden alle 16 Orte von Emmerich Heindl vom Fotoklub Horn fotografiert. Dazu wurde er einen Tag von Dienstbetriebs-Kommandant Julius Schlapschy begleitet. Rund 2.000 Euro investierte der Feuerwehrmuseumsverein Göpfritz für die Coulagen, die aus großen Bildern der heutigen Orts-Überreste und kleinen Bildern der zeitgeschichtlichen Exponate, die an die ehemaligen Feuerwehren erinnern, bestehen.

„Das Österreichische Bundesheer ist sich der großen Verantwortung bewusst“, betont der Chef des Stabes des Militärkommandos Niederösterreich, Michael Lippert und versicherte, dass das Bundesheer den Platz auch in Zukunft mit anderen Blaulichtorganisationen sinnvoll nutzen werde.

Nationalratsabgeordneter Lukas Brandweiner gratulierte zum aktiven Gemeindeleben und betonte, dass viel los sei, wenn Feuerwehren, Kunst und Geschichte aufeinandertreffen.