Störche blieben Zwettl heuer fern. Erstmals seit Jahrzehnten blieben Horste in Zwettl leer. Weniger Nahrung und Mähwiesen sind Grund für Experten.

Von Joachim Brand. Erstellt am 17. August 2019 (03:23)
Jaochim Brand
Einer der letzten Störche am Nest oberhalb des Postgebäudes.

Erstmals seit mehreren Jahrzehnten blieben an allen drei Storchenstandorten der Stadtgemeinde Zwettl die Nester leer.

Auf dem Dach des Stiftes Zwettl, auf dem Postgebäude in Zwettl Stadt und in Friedersbach fiel das muntere Storchengeklapper heuer aus. Vielen Vogel- und Naturliebhabern ist es ein Anliegen, die Storchenpopulation in der Gemeinde Zwettl zu erhalten.

Einer davon ist der ehemalige NÖN Mitarbeiter Siegfried Pöll. Regelmäßig meldete er in früheren Jahren, den Bruterfolg des „Stiftstorches“ an die Gesellschaft für Vogelkunde nach Wien. Als Bediensteter des Waldamtes hatte er stets ein wachsames Auge auf den Storchenbestand „Im Jahr 1965 begann ein Storchenpärchen erstmalig mit dem Bau eines Horstes am Stift Zwettl. Nach Jahrzehnten der Bruttätigkeit blieb das Nest leider seit fünf Jahren verwaist“, bedauerte Siegfried Pöll. „Liegt es an der Trockenlegung der Feuchtwiesen, dem Klimawandel oder am vermehrten Verkehrsaufkommen“, fragte sich Pöll.

„Post-Storch“ wurde von Auto überfahren

Als ein Storch vor etwa 20 Jahren auf dem Rauchfang des Postgebäudes der Stadt viele Zweige zu einem Horst zusammenfügte, war die Freude in Zwettl groß. Nach mehreren Bruterfolgen erfolgte 2015 die letzte Aufzucht von drei Jungstörchen. Danach wurde eines der Elterntiere beim Josefsteich an der Bundesstraße durch ein Auto überfahren. Es befindet sich derzeit als Stopfpräparat beim Ökokreis.

Tierarzt Lukas Strobl kümmerte sich seit vielen Jahren um den Zwettler Horst. Wohnhaft im Stadtzentrum, hatte er immer ein wachsames Auge auf den „Poststorch“. „Anfang April beobachtete ich an zwei Tagen ein Storchenpärchen auf seinem Horst in der Innenstadt. Leider sind sie kurz danach wieder abgeflogen“, berichtet Strobl.

Stadtrat möchte Horst mit Feuerwehr reinigen

Die Verringerung des Nahrungsangebots im Nahbereich und die Reduktion der Mähwiesen sind für ihn einer der Hauptgründe für das Verschwinden des Weißstorches in Zwettl. „Wir von der Arbeitsgemeinschaft Vogelkunde und Vogelschutz haben der Stadtgemeinde Zwettl bereits mehrmals Vorschläge zur Rettung der Storchenpopulation gemacht“, meint Strobl und ergänzt, dass die Sanierung des Horstes ein Schritt in die richtige Richtung gewesen sei. Stadtrat Ewald Edelmaier macht sich ebenfalls Sorgen um den leeren Horst in Friedersbach. Unglücklicherweise wurden 2015 zwei Altstörche an der Bundesstraße bei Friedersbach überfahren.

Joachim Brand
Der letzte Storch ,der erfolgreich auf der Post in Zwettl Stadt brütete, wurde von einem Auto am Josefsteich angefahren. Als Stopfpräparat befindet er sich nun in den Räumen des Ökokreises.

„Heuer im Frühjahr war kurzfristig ein Pärchen wieder da. Anscheinend hat ihnen der bewachsene Horst nicht zugesagt“ sagt Ewald Edelmaier. Die Erhaltung des Storchenbestandes läge den Friedersbachern sehr am Herzen, hebt der Stadtrat hervor. „Ich denke, wir werden noch vor der nächsten Brutsaison eine Reinigung des bewachsenen Horstes mit der Feuerwehr durchführen. Vielleicht finden wir im Ortsbereich auch noch weitere Möglichkeiten zur Biotopverbesserung“, so Edelmaier.

Vogelschutzorganisationen fordern schon seit Langem Biotopverbesserungen und ein Ende der Bodenversiegelung. Eva Karner-Ranner von Bird Life Austria schlägt als mittelfristige Maßnahme das Anlegen von Storchenwiesen vor. In Rust am Neusiedler See, in Hartberg und in Blumau in der Steiermark führten diese Maßnahmen bereits zu einer Stabilisierung des dortigen Storchenbestandes.