Bezirksärztesprecher: „Wichtig, Lehren zu ziehen“. Bezirksärztesprecher Karl Danzinger über Herausforderungen und Lehren aus der Krise.

Von Markus Füxl. Erstellt am 09. April 2020 (06:27)
Bezirksärztesprecher Karl Danzinger begrüßt die Maßnahmen.
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Wie ist die aktuelle Situation in Ihrer Praxis?

Karl Danzinger: Die Frequenz ist extrem zurückgegangen. Wir sind so organisiert, dass die Patienten nicht direkt in Kontakt miteinander kommen. In meiner Ordination ist das leicht möglich, wir haben vier Räume zur Verfügung.

Wie sieht es im Bezirk aus?

Danzinger: Die Versorgung funktioniert. Es haben sich einzig einige Kollegen negativ darüber geäußert, dass manche Wochenenddienste nicht besetzt sind.

Die Ordinationen in Sallingberg und Großgöttfritz waren kurzfristig geschlossen, da die Ärzte Kontakt mit Corona-Patienten hatten. Wie sicher ist man als Arzt vor einer Ansteckung?

Danzinger: Eine Ansteckungsmöglichkeit ist immer vorhanden. Viele Patienten wissen nicht, dass sie infektiös sind, weil es auch sehr milde Verläufe gibt. Vor Kurzem wurden beim Bundesheer zwei Personen positiv getestet, die keine Symptome hatten.

Wie lange werden wir noch mit dem Virus zu kämpfen haben?

Danzinger: Das ist ein reines Ratespiel. Gefühlsmäßig wird uns die aktuelle Situation sicher noch bis Juni verfolgen. Wirtschaftliche Teilbereiche könnten nach meiner Einschätzung Ende April geöffnet werden.

Sind die aktuellen Maßnahmen gerechtfertigt?

Danzinger: Die Gesichtsmasken beim Einkaufen sind wichtig. Sie können wahrscheinlich die Tröpfcheninfektion minimieren. Ich bin persönlich aber gegen eine Handyüberwachung. Wichtig ist, Lehren aus dem Ganzen zu ziehen.

Was können Lehren aus der Krise sein?

Danzinger: Eine Lehre ist, dass das Gesundheitssystem nicht kaputt gespart werden sollte. Vorher kamen viele sogenannte Gesundheitsexperten daher und meinten, dass wir zu viele Betten haben. Jetzt ist man froh, dass es viele Intensivbetten gibt.