Frischer Wind mit Literatur bei dreitägigem Festival . Bachmann-Preisträgerin Birnbacher las aus ihrem preisgekrönten Werk „Der Schrank“.

Von Maria Moll. Erstellt am 18. September 2019 (04:10)
Maria Moll
Die Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher (hinten Mitte) las am Freitagabend im „Zwettler Leerstand, Landstraße 38“. Matthias Vieider, Jannis Klenke und Martin Burk (vorne von links) unterhielten mit Liedern und flotten Melodien. Die drei studierten Jazz-Musiker von „Fainschmitz“ kommen aus Italien, Österreich und Deutschland. Das Literaturfestival organisiert haben Flora Besenbäck, Georg Haider, Marlene Prinz, Agnes Kugler, Elisa und Raphael Besenbäck (hinten von links) sowie Magdalena Treml und Katharina Pfalz (vorne).

 Acht junge Waldviertler brachten am Wochenende mit dem „4. Literaturfestival“ frischen Wind in den Veranstaltungsreigen der Stadt Zwettl. Sie bemühten sich an drei Tagen, nämlich vom 12. bis 14. September, um Literaturvermittlung in sehr ansprechender Art und Weise.

Am Donnerstag waren 62 Kinder aus den Volksschulen der Stadt eingeladen, in der Stadtbücherei interaktives Theater zu erleben. Die Geschichte eines Prinzen, der lieber Prinzessin sein wollte, stammte aus dem Bilderbuch „Prinzessin Hannibal“ von Michael Roher. Und die Literaturvermittlerin Petra Forster versuchte damit, die Kinder für Literatur zu begeistern.

Am Samstagnachmittag stand die „Waldlesung“, ganz in der Natur, auf dem Programm. In eine kurze Wanderung rund um Stift Zwettl wurden Lesungen von Gertraud Klemm und dem Zwettler David Bröderbauer integriert (siehe Seiten 10 und 11). Vielstimmige Musik bot das Frauenquartett „Fräulein Hona“.

Einstige Billa-Filiale soll als Denkanstoß dienen

Die große „Stadtlesung“ gab es am Freitagabend im „Zwettler Leerstand, Landstraße 38“. Dazu weckte Marlene Prinz in ihrer Begrüßung im einstigen Billa-Markt „eine Topographie der Erinnerungen“ vor dem geistigen Auge der Gäste. Angesichts des Problems leerstehender Geschäfte in der Innenstadt sollte mit der Wahl des Veranstaltungsraumes auch ein Denkanstoß gegeben werden.

In „der Billa“ hat schließlich Birgit Birnbacher aus ihrem preisgekrönten Werk „Der Schrank“ gelesen, für das sie im Juni 2019 in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis entgegennehmen konnte. Die Lesung in Zwettl hatte sie schon vor dem Preis vereinbart. Und es wäre sehr schade gewesen, wenn sie nicht gekommen wäre, denn ihre angenehme Stimme wurde von den Zuhörern mit großem Interesse angehört und mit viel Applaus bedacht.

Die Literatin, 1985 im Salzburger Pongau geboren, lebt heute in der Stadt Salzburg. Sie absolvierte eine Lehre zur Augenoptikerin und ist als Sozialarbeiterin tätig. Seit 2011 publiziert sie Texte. Ihr Romandebüt gab sie 2016 mit „Wir ohne Wal“. Ihr Werk „Der Schrank“ hat sie speziell für ihre Teilnahme am Wettbewerb in Klagenfurt geschrieben. Darin berichtet die Ich-Erzählerin über eine zweijährige Studie in ihrem großen Wohnhaus. Es geht um Lebensverhältnisse und „Neue Arbeit“, die tatsächlich gar keine Arbeit ist.

Im Interview gestand Birnbacher ihren großen Ehrgeiz im Schreiben. Trotzdem sei es nicht immer leicht, sich in Phasen intensiver literarischer Tätigkeit den Lebensunterhalt gut einzuteilen. Ihr neuer Roman, ein 300 Seiten dicker „Wälzer“, der eben fertiggestellt wird, basiert auf einer wahren Lebensgeschichte, nämlich auf der eines haftentlassenen Jugendlichen.

„Stiledschungel“ als Musik-Umrahmung

Den musikalischen Einstieg schufen drei studierte Jazz-Musiker der Gruppe „Fainschmitz“ mit „Erinnert“. Sie bespielen Jazzfestivals und große Säle. In Zwettl unterhielten sie mit eigenen Liedern und zahlreichen Stücken aus einem großen „Stiledschungel“, wie Flora Besenbäck es nannte.

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