Zwettler Arbeiterkammer erkämpfte 1,4 Millionen Euro. Ferialjobberin aus dem Bezirk Zwettl wurde grundlos entlassen. Arbeiterkammer rund um Bezirksstellenleiter Jürgen Binder zog für 1.000 Euro für die Kellnerin vor Gericht.

Von Markus Füxl. Erstellt am 20. Februar 2020 (17:24)
NÖ Arbeiterkammer-Vizepräsident Michael Fiala, Bezirksstellenleiter Jürgen Binder und Kammerrat Christian Farthofer freuen sich, dass die Arbeiterkammer im abgelaufenen Jahr über 1,4 Millionen Euro für die Arbeitnehmer im Bezirk Zwettl „erkämpfen“ konnte.
Markus Füxl

Über 1,405.700 Euro erstritt die Arbeiterkammer-Bezirksstelle Zwettl im vergangenen Jahr für Arbeitnehmer. Insgesamt wandten sich mehr als 3.500 Menschen an die Experten. „Das zeigt, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle in allen Lebenslagen sind“, sagt Bezirksstellenleiter Jürgen Binder. Er schildert bei einem Pressegespräch einen Fall aus dem Bezirk Zwettl: Eine Schülerin war als Hilfskraft in einem Gastronomiebetrieb im Burgenland tätig.

„Sie wurde nach fünf Wochen plötzlich entlassen, weil sie angeblich mehrmals deutlich zu spät zum Dienst erschienen sein soll“, sagt Binder. Die Schülerin fuhr mit einem Kollegen in die Arbeit, weil sie selbst noch keinen Führerschein besaß. An manchen Tagen hatte dieser dienstlich noch Erledigungen zu machen. So kam es zu den Verspätungen. Der Arbeitgeber war nicht einsichtig, erst der Weg vor Gericht brachte der Zwettlerin die ihr zustehenden 1.000 Euro. „Auch wenn die Summe nicht hoch scheint, für die Schülerin war das viel Geld“, sagt Binder.

Niederösterreichweit hat die AK im Vorjahr 56 Millionen Euro für Arbeitnehmer gesichert. „Im Waldviertel ticken die Uhren positiv anders. Hier kennt man sich und klärt Differenzen meist, bevor sie vor Gericht landen“, sagt AK-Vizepräsident Michael Fiala. Im Arbeitsrecht betreffen die Anfragen in erster Linie finanzielle Ansprüche oder Probleme rund um Kündigungen sowie Urlaub. Im Sozialrecht geht es oft um Versicherungsanspruche. „Immer wichtiger wird das Thema Pflegegeld, etwa bei der richtigen Einstufung“, sagt Fiala.

Die Dunkelziffer bei den Beratungen sei aber noch immer hoch, betont AK-Kammerrat und ÖGB-Landessekretär. „Viele trauen sich nicht, zu uns zu kommen, weil es ja der Chef mitkriegen könnte.“ Auch das Ansehen eines Betriebsrates gehöre aufpoliert. „Er ist nicht der Feind der Firma, sondern ein wichtiges Verbindungsglied“, erklärt Jürgen Binder. Vizepräsident Fiala ergänzt: „Für die Betriebe sind diese Personen eine Win-Win-Situation. Sie sorgen auch für Teambuilding-Maßnahmen und organisieren Veranstaltungen. Das sorgt für ein gutes Betriebsklima im Büro.“